Die Vogelwelt Bd. 135 2/2014-15

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Schwerpunkte
  • Vögel im Landschaftspark Unteres Odertal
  • Brutvogelgemeinschaft eines großen Friedhofs
  • Kann der Kiebitz den Klimawandel überstehen?
  • Interpretation von Vogelflug-Fotos

Trauerseeschwalbe mit Küken. Foto: P.Chara

Trauerseeschwalbe mit Küken. Foto: P.Chara

Marchowski, D. & Ł. Ławicki: Veränderungen der Brutvogelbestände im Landschaftspark Unteres Odertal (NW-Polen) von 1995 bis 2013

Im Jahr 1993 wurde entlang der polnisch-deutschen Grenze der 6.009 ha große Landschaftspark Unteres Odertal gegründet. In direkter Nachbarschaft folgte auf deutscher Seite 1995 der Nationalpark Unteres Odertal. Mit seiner Mischung aus Sümpfen, Feuchtwiesen, Schilfflächen, Auwäldern und Altarmen ist der Landschaftspark eines der bedeutendsten Brutgebiete für in Feuchtgebieten lebende Vögel in Polen und ist Teil des Natura 2000 Netzwerks. In diesem Artikel werden die Bestandsveränderungen ausgewählter Vogelarten in den ersten 20 Jahren seit der Unterschutzstellung beschrieben. Damit einhergehend werden Gründe für bereits erfolgte Veränderungen und Vorschläge für einen besseren Schutz der wertvollsten Vogelarten und ihrer Lebensräume diskutiert.


Kopij, G.: Brutvogelgemeinschaft eines großen Friedhofs in einer mitteleuropäischen Stadt im Jahr 1969 und 40 Jahre später

Mit Hilfe der Revierkartierungsmethode wurden in den Jahren 1968–69 und 2008 die Brutvögel eines 52,5 ha großen, in den Außenbezirken der Stadt Wrocław (Breslau) im Odertal gelegenen Friedhofs erfasst. Der Friedhof wurde 1867 begründet, weist fast durchgehend einen dichten Baumbestand auf und stellt somit quasi einen alten Mischwald dar, dessen Bodenvegetation allerdings stark vom Menschen beeinflusst wird. Das Durchschnittsalter der Bäume betrug 1968–69 etwa 50–60 Jahre, 2008 etwa 80–90 Jahre. Dabei machten Koniferen einst etwa 40 % des Baumbestands aus, heute ist ihr Anteil etwas niedriger. Im Vergleich zu 2008 war der Unterwuchs 1968–69 besser entwickelt. Von Einfluss auf die vorkommenden Brutvogelarten war die Errichtung einiger kleiner Gebäude zwischen den beiden Untersuchungszeiträumen. Auch ist die Umgebung des Friedhofs heute dichter bebaut als früher. Nistkästen waren in beiden Phasen nicht vorhanden.


Schuster, S.: Kann der Kiebitz Vanellus vanellus den Klimawandel überstehen? Zum Rückgang der Brut- und Mauserbestände im Voralpenland

Der Klimawandel hat seit 1950 zu deutlichen Änderungen im Zug- und Brutverhalten einheimischer Vogelarten geführt und deren Brut- und Überwinterungsareale teilweise erheblich verändert. Beim Kiebitz lassen sich im Süden Deutschlands, in Vorarlberg und in der Nordschweiz zahlreiche Veränderungen deutlich erkennen: seit 1988 gehen die Brutbestände stark zurück (Tab. 1), die großen Mauserplätze sind seit 1990 weitgehend verschwunden (Tab. 2). Als Ursachen wurden bisher vor allem die Intensivierung der Landwirtschaft und die Zunahme der Prädatoren diskutiert. In dieser Arbeit werden vor allem die Auswirkungen der Klimaerwärmung in den vergangenen Jahrzehnten analysiert. Diese Temperaturerhöhung führt zu einem früheren, schnelleren und vor allem dichteren Wachstum vieler Bodenpflanzen, vor allem der Gräser. Damit fallen Wiesen – und später auch Äcker – als Brut- und Mauserplätze für den Kiebitz aus. Dasselbe gilt für alle anderen Bodenbrüter. Deren Brutbestände gingen im Bodenseegebiet seit 1980 um 80 % oder mehr zurück (Tab. 4). Es kann daher prognostiziert werden, dass der Kiebitz in Zukunft sein Brutareal weiter nach Norden bis zum Polarmeer ausweiten und die meisten mitteleuropäischen Gebiete räumen wird. Hier wird es darauf ankommen, in die ausgeräumte Agrarflur zahlreiche ökologische Inseln einzubauen, um die Artenvielfalt – auch mit neuen Arten – zu erhöhen. Der Blick darf nicht zurück ins Naturmuseum wandern, sondern in eine artenreiche Zukunft.


Schneeeule. Foto: Wothe & Krüger

Schneeeule. Foto: Wothe & Krüger

Nachtigall, W.: Zur biomechanischen Interpretation von Vogelflug-Aufnahmen

Im Vergleich mit Flugaufnahmen frei fliegender und anfliegender Schneeeulen (Wothe & Krüger 1996) werden häufig zu fotografierende Situationen flugmechanisch interpretiert. Es sind dies: Rumpfkonturierung durch das Rumpfgefieder; Flügelanstellung, Flügelverwindung, Hochziehen der Flügel­enden und Luftkraft- sowie Momentenerzeugung; gestaffelte Handschwingen und V-Stellung der Flügel; Abspreizen des Deckgefieders und Abheben des Daumenfittichs; Luftbremsen und Momentenausgleich durch Schwanzspreizen.


Weitere Inhalte:
  • Literaturbesprechungen
  • DDA-Aktuell 2/2015  PDF


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