Die Vogelwelt Bd. 133 3/2012

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Schwerpunkte:
  • Kartierung von Bunt- und Mittelspecht
  • Vogelstimmen im Fernsehen
  • Neuntöter als Auslöser von Mobbing-Verhalten
  • Heringsmöwen in Belarus
  • Von der Energiewende zum Biodiversitäts-Desaster

Mittelspecht. Foto: S.Pfützke

Mittelspecht. Foto: S.Pfützke

Hennes, R.:
Fehlermöglichkeiten bei der Kartierung von Bunt- und Mittelspecht Dendrocopos major, D. medius – Erfahrungen mit der Kartierung einer farbberingten Population
Spechte gelten allgemein als schwierig zu kartierende Arten. Anhand von Studien einer farbberingten Population von Buntund Mittelspecht werden Fehlermöglichkeiten bei der Erfassung diskutiert. Die Erfassung individuell erkennbarer Vögel konnte Erkenntnisse über die signifikante zeitliche und räumliche Dynamik der Population liefern. Mehrjährige Beobachtungen zum Verhalten belegen, dass es mehr Faktoren gibt, die zu einer Unterschätzung des Bestandes bei Kartierungsarbeiten führen dürften, als zu einer Überschätzung. Der Vergleich des durch Farbberingung und Höhlensuche bekannten Bestandes mit den Ergebnissen von vier unabhängig arbeitenden Kartierern ergab, dass nur ein Teil der anwesenden Spechte durch die Kartierer erfasst wurde. Die im Methodenhandbuch beschriebene Vorgehensweise erwies sich nur als eingeschränkt brauchbar. Vorschläge zur Verbesserung der Kartierungsmethoden (Konzentration auf Balzzeit, Anpassung der Erfassungstermine, Verzicht auf Papierreviere, Bedeutung der Witterungsbedingungen, Einsatz Klangattrappe) werden unterbreitet.


Rüter, S. & K. Palmer:
Verwendung von Vogelstimmen im Fernsehen am Beispiel der Kriminalserie Tatort.
Anhand von 64 Folgen der deutschen Kriminalserie Tatort wurde die gestalterische Funktion und die biologisch-ökologische Plausibilität von Vogelstimmen im Fernsehen untersucht. Insgesamt wurden 1.152 Einzelnachweise von Lautäußerungen erbracht, die 54 Vogelarten zugeordnet werden konnten. Für einzelne Arten wurden Nachweisschwerpunkte in Szenen mit bestimmten Grundstimmungen ermittelt, was aufgrund des Symbolcharakters der Arten auf eine gezielte Verwendung als filmisches Gestaltungsmittel hinweist (z. B. Waldohreule in spannenden Szenen). Ohne Kenntnis der Produktionsziele ist die gestalterische Funktion von Vogelstimmen aber nur schwer nachweisbar. Das Auftreten von Sandregenpfeifer, Rotschenkel, Küstenseeschwalbe, Kuckuck, Waldkauz, Haussperling und Feldsperling wurde in insgesamt 14 Fällen als nicht plausibel bewertet. Diese Fälle werden darauf zurückgeführt, dass die Vogelstimmen vermutlich zur Untermalung von Handlungsorten (z. B. Küstenseeschwalbe am Meer) oder Emotionen (z. B. Waldkauz für Spannung) in die Filmhandlung aufgenommen wurden. Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass die Gesänge und Rufe von Vögeln als Hintergrundgeräusch und/oder als gestalterischer Soundeffekt wesentlich zum Erlebnis und damit zur Wertschöpfung der Tatort-Filme beitragen.


Neuntöter-Attrappe aus Kunstharz. Foto: O.Elle

Neuntöter-Attrappe aus Kunstharz. Foto: O.Elle

Elle, O. & N. Klein:
Der Neuntöter Lanius collurio als Auslöser von Mobbing-Verhalten bei Singvögeln.
Vorliegende Arbeit untersucht das Mobbing-Verhalten von Singvögeln gegenüber einer Attrappe des Neuntöters, der für viele Vogelarten eine Gefahr als Nestprädator darstellt. Erwartet wurden stärkere Reaktionen der Singvögel auf die Attrappe während der Nestlingszeit der Jungvögel als davor oder danach (Hypothese 1), stärkere Reaktionen von Freibrütern als von Höhlenbrütern (Hypothese 2), stärkere Reaktionen auf Untersuchungsflächen mit Brutvorkommen des Neuntöters als in Lebensräumen ohne Neuntöter- Brutvorkommen (Hypothese 3) und stärkere Reaktionen auf eine kombinierte akustisch-visuelle Attrappe im Vergleich mit einer ausschließlich akustischen bzw. visuellen Attrappe (Hypothese 4).


Brutpaar der Heringsmöwe. Foto: D.Goncharov

Brutpaar der Heringsmöwe. Foto: D.Goncharov

Goncharov, D. & G. Neubauer:
Erstmaliges Brüten der Heringsmöwe Larus fuscus in Belarus
Die Heringsmöwe, bisher in Belarus (Weißrussland) nur regelmäßiger Gastvogel in kleiner Zahl, wurde 2012 erstmals in diesem Land als Brutvogel festgestellt. Auf dem Dach eines großen Industriegebäudes in Gatovo in der Nähe von Minsk, auf dem auch 1.830 Paare Steppen- und Silbermöwen brüten, wurde ab April ein Paar Heringsmöwen beobachtet, das zunächst Balzverhalten zeigte und sich noch Anfang August in einem Bereich mit „Kindergärten“ aufhielt. Nachweislich gebrütet hat ein Heringsmöwen-Weibchen, das am 26. Juni 2012 zusammen mit einem Steppenmöwen-Männchen am Nest mit einem Küken gesehen wurde…


Bluthänfling. Foto: H.Jaschof

Bluthänfling. Foto: H.Jaschof

Flade, M.:
Von der Energiewende zum Biodiversitäts-Desaster – zur Lage des Vogelschutzes in Deutschland
Die aktuelle Bestandsentwicklung der Brutvogelarten Deutschlands wird vor dem Hintergrund der Auswirkungen der aktuellen Klima- und Energiepolitik bilanziert. Trotz beachtlicher Erfolge beim Schutz einiger seltener und attraktiver „Flaggschiffarten“ ist die Bilanz für die große Mehrheit der Arten so negativ wie schon seit langem nicht mehr. Die Folgen des nach Auffassung des Autors unüberlegten und übereilten Ausbaus erneuerbarer Energien für die Vögel sind immer dramatischer und machen die Einhaltung der von den EU-Regierungen formulierten Biodiversitätsziele inzwischen unmöglich. Unbesehen der Notwendigkeit eines effektiven Klimaschutzes zur Abwendung der Folgen des globalen Klimawandels entpuppt sich die Energiewende immer mehr als aktuell eine der größten Gefahren für den Schutz der biologischen Vielfalt, dies umso mehr, als sich die Effekte mit den Auswirkungen einer verfehlten Landwirtschaftspolitik multiplizieren. Es wurde versäumt, rechtzeitig Belastungsgrenzen für die Natur durch die Folgen des Ausbaus erneuerbarer Energien (Energiemais, Windkraft) zu definieren und wirksame Regelungsmechanismen für den Fall der Überschreitung festzulegen. Die „New Green Economy“ und „Grünes Wachstum“ sind eine Sackgasse. Nach Auffassung des Autors muss gerade der Naturschutz eine Abkehr vom illusionistischen Wachstumsparadigma und damit einen grundsätzlichen gesellschaftlichen Wandel fordern.   pdf-sym

Weitere Inhalte:
  • Literaturbesprechungen
  • Nachrichten
  • DDA-Aktuell 1/2013  pdf-sym

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