Die Vogelwelt Bd. 131 3/2010

0
Schwerpunkte:
  • Gelbschnabeltaucher in der deutschen Ostsee
  • Odinshühnchen in Deutschland und an der afrikanischen Atlantikküste
  • Zeitliches und räumliches Auftreten rastender Goldregenpfeifer im Ems-Dollart-Raum
  • Trichomonaden-Befall bei wild lebenden Grünfinken und anderen Singvögeln
  • Weißrückenspecht nutzt Knochen als Nahrungsquelle
  • Schwanzmeisen füttern Kleiberbrut

Bellebaum, J., C. Bock, S. Garthe, J. Kube, M. Schilz & N. Sonntag:
Vorkommen des Gelbschnabeltauchers Gavia adamsii in der deutschen Ostsee
Systematische Seevogelzählungen und Zugplanbeobachtungen im Bereich der deutschen Ostsee 2002-2008 zeigen, dass Gelbschnabeltaucher in der deutschen Ostsee regelmäßig auftreten. Das betrifft sowohl den Zug durch die westliche Ostsee im Frühjahr von März bis Mai als auch Rastvögel, die küstenfern in geringer Anzahl in der Pommerschen Bucht überwintern. Im Frühjahr 2003 wurde am Darßer Ort ein Durchzug von 0,018 Vögeln pro Stunde festgestellt. Die Beobachtungen deuten auf eine Rast weniger Vögel in der südlichen bis zentralen Ostsee und möglicherweise auf einen Schleifenzug mit Überwinterung in der Nordsee hin. Beides betrifft überwiegend nicht brütende Vögel.


Busche, G. & P. Becker:
Das Vorkommen des Odinshühnchens Phalaropus lobatus in Deutschland und an der afrikanischen Atlantikküste
Von den Küsten Norddeutschlands zeigen Odinshühnchen nach vieljährigen Jahresmitteln bislang das höchste Durchzügler- Auftreten in Schleswig-Holstein, aus dem die avifaunistischen Standardbefunde ausführlicher vorangestellt seien. Das Rastvorkommen schwankt sehr stark (1965-2005 jährlich 14 bis 107 Vögel, einmalig bisher 257 im Jahre 1999, gemittelt 58 Ind./Jahr). Dabei zeigt sich über den gesamten Zeitraum ein stabiles Auftreten. Der Heimzug dauert vom 27. April bis 19. Juni (Median 26. Mai), der Wegzug vom 30. Juni bis 27. Oktober (Median 23. August). Die Mediane stimmen mit denen der weiteren Küstenländer (Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen) ziemlich überein. Auf dem Wegzug traten Jungvögel in Schleswig-Holstein vom 20. Juli bis 19. Okt. auf. Die Mediane von Alt- und Jungvögeln liegen am 6. bzw. 29. August. Das Mengenverhältnis von Heim- und Wegzug beträgt 15 zu 85 %. Die räumliche Verteilung ist ausgesprochen küstenorientiert, jeweils Nord- und Ostsee zu 84 bzw. 16 %. Zu folgenden Punkten sind Einzelheiten mitgeteilt: zeitliche Verteilung nach Alter und Geschlecht, Sommervorkommen, Extremdaten, Schwarmgrößen (56 % Einzelvögel) und Verweildauer (bis 45 Tage). In Deutschland nehmen Rastvorkommen nach Südosten anscheinend mehr ab als nach Süden. Die Herkunft der in Deutschland durchziehenden Odinshühnchen ist nicht bekannt, doch ist sie möglicherweise im Süden Skandinaviens zu suchen. Es erscheint unwahrscheinlich, dass isländische Vögel in Mitteleuropa auftreten. Vielmehr werden Daten vom Ostatlantik vor der Küste Afrikas präsentiert, die eine Hypothese nähren, der zufolge isländische Odinshühnchen nach Süden anstatt nach Südosten ziehen.


Nahrungssuchende Goldregenpfeifer. Foto: H.Kruckenberg

Nahrungssuchende Goldregenpfeifer. Foto: H.Kruckenberg

Kowallik, C., H. Kruckenberg, K. Koffijberg, A. Koelzsch & J. Borbach-Jaene:
Zeitliches und räumliches Auftreten rastender Goldregenpfeifer Pluvialis apricaria im Ems-Dollart-Raum (Landkreis Leer, westliches Niedersachsen).
Die Bestände und das Raumnutzungsverhalten rastender Goldregenpfeifer in der Ems-Dollart-Region wurden zwischen 1996/97 und 2008/09 untersucht. Es zeigt sich über alle Jahre hinweg ein deutlich zweigipfliges Zugmuster mit Spitzen im Herbst und Frühjahr. Insgesamt sind die Schwankungen in den Beständen recht hoch. Das Maximum wurde mit 41.500 Vögeln im Herbst 2007 festgestellt. Im Untersuchungszeitraum ist eine signifikante Zunahme der Herbstmaxima nachweisbar; es gibt zudem eine positive Korrelation zwischen den Rastbestandszahlen im Herbst und der Lufttemperatur, was darauf hinweist, dass die Goldregenpfeifer den Abzug in einem warmen Herbst hinauszögern. Im Winter finden sich im Gebiet nur wenige Goldregenpfeifer, dennoch in signifikant zunehmenden Beständen. Die Vögel nutzen die tiefer gelegenen (also feuchtesten) Bereiche des Gebietes intensiv; dies gilt sowohl für den Herbst- als auch den Frühjahrszug. Im Herbst nutzen die Goldregenpfeifer einen größeren Anteil des Gebietes. Die Habitatpräferenzanalyse belegt eine sehr hohe Bevorzugung von Dauergrünland im Herbst. Auf dem Heimzug zeigen die Goldregenpfeifer zudem eine Präferenz für die Vorländer von Dollart und Ems. Ackerflächen hingegen werden ganzjährig gemieden.


Peters, M. & I. Ludwichowski:
Trichomonaden-Befall bei wild lebenden Grünfinken Carduelis chloris und anderen Singvögeln (Passeriformes) in Deutschland im Jahr 2009 – Versuch einer Bilanz
Im Jahr 2009 kam es in der Bundesrepublik zu einem größeren Massensterben von Grünfinken und im geringeren Umfang von weiteren Singvogelarten. Als Ursache konnte veterinärmedizinisch in 94 Fällen eine hochgradige Schlundentzündung durch den einzelligen Parasiten Trichomonas gallinae nachgewiesen werden. Ein Aufruf des NABU erbrachte Hinweise auf weitere 1.554 tote Grünfinken, die mit großer Wahrscheinlichkeit ebenfalls an Trichomoniasis gestorben waren. Übereinstimmend kam der größte Teil der Meldungen wie auch die Nachweise im Sektionsgut aus Nordwest- und Mitteldeutschland sowie aus Berlin. Die Herkunft der Erkrankung und das Gesamtausmaß des Grünfinkensterbens in Deutschland werden diskutiert und es werden Empfehlungen zum weiteren Umgang mit der Krankheit gegeben. Unzulänglichkeiten in der Dokumentation von Wildvogelkrankheiten werden thematisiert.


Weißrückenspecht. Foto: K.Schleicher

Weißrückenspecht. Foto: K.Schleicher

Schleicher, K.:
Weißrückenspecht Dendrocopos leucotos nutzt Knochen als Nahrungsquelle
In der Waldsteppe der Mongolei gelang die Dokumentation einer bisher nicht beschriebenen Art des Nahrungserwerbes des Weißrückenspechtes. An drei Terminen wurde in der zentralmongolischen Ortschaft Tsetserleg ein Weißrückenspecht festgestellt, der mit seinem Schnabel in aufgebrochenen Knochen pickte. Der Vorgang konnte durch eine Fotoserie dokumentiert werden. Das Verhalten wird dahingehend interpretiert, dass der Specht Knochenmark oder andere Bestandteile aufgebrochener Knochen als Nahrungsquelle nutzte. Diese Annahme wurde durch Schnabelspuren im Mark des vom Specht bearbeiteten Knochens untermauert. Der mehrfache Nachweis des Verhaltens und das gezielte Anfliegen von Knochen mit anschließend intensivem Begutachten der Knochenöffnungen lassen auf einen oft wiederholten Vorgang schließen. Daraus lässt sich ableiten, dass es sich um eine Spezialisierung eines oder mehrerer Weißrückenspechte auf Knochenmark oder andere Bestandteile aufgebrochener Knochen als Nahrungsquelle handelt.


Emmerich, R., K.-H. Emmerich & K. Witt:
Schwanzmeisen Aegithalos caudatus füttern Kleiberbrut Sitta europaea


Siefke, A., G. Klafs & M. Görner:
Das „Möwenproblem“ im 20. Jahrhundert: Sechs Fragen als Replik zu Herrmann 2009 (Vogelwelt 130: 25-47).


Bommer, K.:
Systematische Erhebung des Kranichzuges in Mittelhessen – Zum Beitrag von Kraft, M. 2010: „Systematische Erhebungen zum Kranich Grus grus auf dem Wegzug der Jahre 1987 bis 2009 im Raum Marburg/Lahn, Mittelhessen“. Vogelwelt 131: 147–154.

 

Weitere Inhalte:

 

Bestellen Sie jetzt dieses Einzelheft: