Die Vogelwelt Bd. 131 2/2010 – Themenheft Kranich

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Themenheft Kranich
Kranich. Foto: G.Nowald

Kranich. Foto: G.Nowald

Mewes, W.:
Die Bestandsentwicklung, Verbreitung und Siedlungsdichte des Kranichs Grus grus in Deutschland und seinen Bundesländern   pdf-icon-20
In den letzten 30 Jahren ist der Kranichbestand in Deutschland mit Unterstützung vieler ehrenamtlicher Betreuer, die seit 1991 in der Arbeitsgemeinschaft Kranichschutz Deutschland organisiert sind, erfasst worden. So wurde eine lückenlose Darstellung der Entwicklung möglich. Der Kranich besiedelt das Norddeutsche Tiefland und kommt in den Bundesländern Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Sachsen vor. In Nordrhein-Westfalen und Thüringen gibt es erste Ansiedlungen an der Verbreitungsgrenze, die durch Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Sachsen verläuft. In Bayern siedeln wenige Paare isolierte vom Verbreitungsgebiet. Seit 1978 ist der Brutbestand von etwa 700 auf 7.000 Paare gestiegen. Einen besonderen Zuwachs gab es seit Mitte der 1990er Jahre. Mit dem Bestandsanstieg erhöhte sich die Siedlungsdichte und es kam gleichzeitig zu einer Ausbreitung nach Norden, Westen und Süden. Das Verbreitungsgebiet in Deutschland erweiterte sich im Betrachtungszeitraum um etwa 80 %. Nach Westen entspricht das einer maximalen Ausdehnung von ca. 240 km. Die größte Ausbreitung fand in den Bundesländern Niedersachsen und Schleswig-Holstein statt. In den Bundesländern Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg siedeln die meisten Kranichpaare. Sie beherbergen etwa 80 % des Gesamtbestandes in Deutschland. In diesen beiden Bundesländern kommen kleinräumig auch die höchsten Siedlungsdichten mit bis zu 65 Paaren/100 km2 vor. Als Ursachen für den dargestellten Entwicklungsprozess werden die Anpassungsfähigkeit des Kranichs, der Naturschutz, die Vielfalt genutzter Bruthabitate, eine hohe Reproduktion sowie ein verändertes Zug- und Überwinterungsverhalten diskutiert. Im südlichen Verbreitungsgebiet werden verstärkt Bergbaufolgelandschaften ehemaliger Braunkohlentagebaue besiedelt. Welche Rolle der Klimawandel für die künftige Populationsentwicklung spielen wird, ist noch unklar. Es deutet sich an, dass durch Trockenheit während der Brutzeit die Reproduktion zurückgeht. Auch die veränderte Flächennutzung in der Landwirtschaft wird sich negativ auf die Bestandsentwicklung auswirken.


Gelege eines Kranich Weibchens

Gelege eines Kranich Weibchens

Mewes, W. & M. Rauch:
Die Identifizierung brütender Kranichweibchen Grus grus anhand ihrer Gelegen
Auf einer Fläche von 338 km2 im Kreis Parchim, Mecklenburg- Vorpommern, werden im Rahmen eines Brutpaar-Monitorings am Kranich Nester aufgesucht, die Eier vermessen, gewogen und fotografiert. Es wurde erkannt, dass sich die Gelege an vielen Brutplätzen von Jahr zu Jahr stark ähneln und typische Merkmale aufweisen. Daraus wurde eine Methode zur individuellen Erkennung brütender Kranichweibchen entwickelt. Wesentliche Merkmale zur Identifizierung der Weibchen sind Länge, Durchmesser und Form der Eier sowie Grundfarbe und Fleckung. Bei der Fleckung spielen ihre Verteilung auf dem Ei, die Form, Größe, Farbe und Dichte der Flecken eine wesentliche Rolle…


Kraniche in der Elbtalaue. Foto: H.Prange

Kraniche in der Elbtalaue. Foto: H.Prange

Mewes, W. & M. Modrow:
„Brutparasitismus“ beim Kranich Grus grus
Bei den Kontrollen von Kranichnestern werden von Zeit zu Zeit Mischgelege mit Graugans- oder Stockenteneiern gefunden. In der Literatur wird nur ein Fall von 1987 beschrieben. Von 2003 bis 2008 wurden von den Autoren in Mecklenburg- Vorpommern drei Mischgelege mit Grauganseiern und drei mit Stockenteneiern gefunden, die beschrieben und mit Fotos belegt werden. Im Jahr 2009 wurde ein weiteres Mischgelege mit einem Graugansei gemeldet. Wie die fremden Eier in Kranichnester gelangen, ist bisher unklar. In der Regel brüten die Kraniche die fremden Eier aus und führen die Jungen anscheinend auch, doch werden diese nur sehr selten flügge. In einem Fall brütete ein Kranichpaar zwei Entenküken aus, ohne ein eigenes Ei im Nest zu haben…


Henne E. & B. Blahy-Henne: Die Mauser der Hand- und Armschwingen beim Kranich Grus grus

Nowald, G.: Farbberingung und Besenderung von Kranichen Grus grus in Deutschland und Europa – eine Übersicht

Mewes, W., N. Donner & G. Nowald: Die Erfassung einheimischer Kraniche Grus grus an Sammelplätzen in Mecklenburg-Vorpommern

Nowald, G., N. Donner & M. Modrow: Die Entwicklung der Rast von Kranichen Grus grus und der Einfluss der Landwirtschaft in der Rügen-Bock-Region im Nordosten Deutschlands

Boldt, A., H.-J. Jessel & R. Schwarz: Aktuelle Ergebnisse zur Rast des Kranichs Grus grus im Müritzgebiet

Albrecht, J., M. Rauch, E. Hinke, J. Fanke, H. Schreiber & A. Goersz: Rhin-Havelluch – Herbstrast der Kraniche Grus grus vor den Toren Berlins

Höpfner, E.: Rastplätze des Kranichs Grus grus in Nordthüringen

Kraft, M.: Systematische Erhebungen zum Kranich Grus grus auf dem Wegzug der Jahre 1987 bis 2009 im Raum Marburg/Lahn, Mittelhessen

Prange, H.: Zug und Rast des Kranichs Grus grus und die Veränderungen in vier Jahrzehnten

Nowald, G., W. Schröder, V. Günther & S. Aynalem: Kraniche Grus grus in Äthiopien

Fanke, J.: Parasitenstatus von Kranichen Grus grus in Deutschland

 

Weitere Inhalte:

DDA-Aktuell 4/2010

 

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