Die Vogelwelt Bd. 128 4/2007

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Schwerpunkte:

  • Seevogelbestände in der Nordsee im Jahresverlauf
  • Niedergang der süddeutschen Ortolan-Population
  • Jährliche Variation und Bruterfolg einer bedrohten Inselpopulation des Kolkraben
  • Vogelarten-Kenntnis von Schülern in Bayern

Basstölpel. Foto: C.Braun

Basstölpel. Foto: C.Braun

Garthe, S., N. Sonntag, P. Schwemmer & V. Dierschke:
Schätzung von Seevogelbeständen in der deutschen Nordsee im Jahresverlauf und ihre biogeographische Bedeutung
In jüngster Zeit haben die Pläne für wirtschaftliche Nutzungen auf See stark zugenommen. Dies hatte eine Reihe von Studien zur Folge, welche die räumliche Verbreitung und Zahlen von Seevögeln auf See untersuchten. Allerdings weisen Zahlenangaben von Seevögeln trotz dieser Studien immer noch einige zeitliche Lücken auf, und neueste Datenreihen wurden bislang nicht berücksichtigt. Das Ziel dieser Untersuchung ist daher, für alle Jahreszeiten und für alle Arten, die regelmäßig die deutschen Gewässer der Nordsee zum Rasten und zur Nahrungssuche nutzen, aktuelle  durchschnittliche Bestandsgrößen zu berechnen. Die deutsche Nordsee wird dabei in die politisch relevanten Zonen der Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) und der 12-Seemeilen-Zonen (Hoheitsgewässer) von Niedersachsen bzw. Schleswig-Holstein unterteilt.  Zur Berechnung wurde ein Gebiet von den äußeren Wattenmeerinseln bis zu den äußeren Grenzen der deutschen AWZ der Nordsee mit Hilfe von schiffs- (Jahre: 1993–2003) und flugzeuggestützten (2002–2006) Erfassungen untersucht. Da davon auszugehen ist, dass Tiere in den äußeren Bereichen des Zähltransektes übersehen werden, haben wir artspezifische Korrekturfaktoren berechnet und angewandt. Auf der Basis von Rasterkarten wurden für alle Vogelarten und jede Jahreszeit zuerst geographische Einheiten ähnlicher Seevogeldichte ausgewählt, die das gesamte Untersuchungsgebiet abdeckten. Danach wurden Anzahlen für jede dieser Einheiten berechnet, indem zunächst die gesamte Individuenzahl durch die gesamte kartierte Fläche dividiert und danach dieser Wert mit der Größe der geographischen Einheit multipliziert wurde. Schließlich wurde die Gesamtzahl aus der Summe aller dieser Einheiten errechnet. Zusätzlich zu den auf See berechneten Zahlen wurden (1) Vogelzählungen auf Helgoland, (2) Springtiden­zählungen entlang der deutschen Wattenmeerküste, (3) Flugzeugzählungen für Meeresenten sowie (4) Daten aus Brutkolonien berücksichtigt…


Gut flügger junger Ortolan im Alter von ca. 4 Wochen. Foto: M.Lang

Gut flügger junger Ortolan im Alter von ca. 4 Wochen. Foto: M.Lang

Lang, M.:
Niedergang der süddeutschen Ortolan-Population Emberiza hortulana – liegen die Ursachen außerhalb des Brutgebiets?
Die süddeutsche Restpopulation des Ortolans befindet sich in Nordbayern. Sie hat zwischen 1988 (mind. 840 Reviere) und 2003 (333 Reviere) ca. 60% ihres Bestands verloren und bis 2007 (235 Reviere) um insgesamt etwa 72% abgenommen. Von Bestandseinbußen sind auch die Optimalhabitate ohne erkennbare Verschlechterung der Habitatqualität betroffen. Das veränderte Siedlungsmuster (Schwerpunktverlagerung an Waldränder und Baumhecken) ist nur teilweise mit Baumverlusten in der Agrarlandschaft und Vergrößerung der Feldparzellen erklärbar, vor allem aber mit der – klimatisch bedingt – zunehmenden Massenentwicklung von Waldinsekten (Tortriciden, Geometriden u.a.). Bei der Verteilung der Reviere ist nach wie vor keine Bevorzugung der Sandböden gegenüber (Löss-)Lehm festzustellen. Es wird die Neubesiedlung eines Trockenstandorts beschrieben, der an südländische Ortolanhabitate erinnert.


Siverio, M., F. Siverio & B. Rodríguez:
Jährliche Variation und Bruterfolg einer bedrohten Inselpopulation des Kolkraben Corvus corax (Teneriffa, Kanarische Inseln)
In den Jahren 1996–2006 wurden die Bestandsgröße und der Bruterfolg des Kolkraben im Teno-Massiv, in dem der Großteil des Brutbestands von Teneriffa lebt, untersucht. In dieser Zeit blieb der Brutbestand mehr oder weniger stabil und schwankte zwischen vier (2001) und neun (2005–2006) Paaren. Im Jahr 2006 brüteten acht der neun Paare erfolgreich, je erfolgreichem Paar flogen durchschnittlich 2,63 Jungvögel aus. Von 1996–2005 betrug die durchschnittliche Jungvogelzahl bei 36 zufällig beobachteten Bruten 2,72. Um den Bestand langfristig zu erhalten, ist ein Schutzprogramm nötig, das u. a. eine Erhöhung der Überlebensrate von nichtbrütenden Vögel durch Zufütterung beinhalten sollte.


Zahner, V., S. Blaschke, P. Fehr, S. Herlein, K. Krause, B. Lang & C. Schwab:
Vogelarten-Kenntnis von Schülern in Bayern
Artenkenntnis gilt als Basis für das Interesse und Engagement für Natur und Umwelt. Um nähere Informationen über die Artenkenntnis unserer Schülern zu erhalten, befragten wir in der vorliegenden Studie 3.228 Schüler aus verschiedenen Schularten (Grundschule, Hauptschule, Gymnasium) und Altersstufen (4., 7. und 12. Klasse). Die Untersuchung fand in  Bayern statt, da dieses Bundesland national auf Platz eins der OECD PISA-Studie und international auf Platz fünf lag und wir einen Zusammenhang zwischen Allgemeinbildung und Artenwissen vermuteten. Neben der Artenkenntnis testeten wir Parameter, die einen möglichen Beitrag zur Erklärung von Artenwissen leisten können. So fragten wir ab, woher die Kinder glaubten, ihr Wissen zu haben (Schule, Eltern, Bücher, Fernsehen) und ob sie zuhause über Garten, Nistkästen, Vogelfütterung verfügten. Weitere Fragen bezogen sich auf das Interesse an Natur und Vögeln, die Häufigkeit des Naturaufenthalts und die Art des Lieblingsvogels. Der am häufigsten genannte Lieblingsvogel war der „Adler“, gefolgt vom „Spatz“. Im Durchschnitt  kennen Schüler 4,2 von 12 Gartenvögeln. Rund 1% der Schüler kennen alle, 7,4 keine Vogelart. Der bekannteste Vogel war die Amsel, der unbekannteste der Buchfink. Der Haussperling wurde nur von jedem dritten Schüler erkannt. Schulen, die regelmäßig mit Präparaten arbeiteten, waren erfolgreicher. Schüler mit höherer Schulbildung hatten eine größere Artenkenntnis. Auch mit zunehmendem Alter stieg die Wissenskurve an. Mädchen verfügten um eine etwas höhere Artenkenntnis als Jungen. Wichtige Erklärungen für Artenkenntnis war das Vorhandensein eines Gartens oder einer Futterstelle. Um Interesse an Arten entstehen zu lassen, ist die emotionale Begegnung mit Tieren zentral.

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