Die Vogelwelt Bd. 127 2/2006

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Schwerpunkte:
  • Vogelbesiedlung des Golfplatzes „Apeldör“ in Schleswig-Holstein
  • Vogelgemeinschaften in Wäldern nach Frühjahrsbränden
  • Einflüge von Steppen- und Mittelmeermöwen ins nördliche Mitteleuropa
  • Phänologie von Silber-, Mittelmeer- und Steppenmöwe in Berlin
  • Mülldeponien als winterlicher Lebensraum für Silbermöwen

Golfplatz Apeldör

Golfplatz Apeldör

Busche, G.:
Zur Vogelbesiedlung des Golfplatzes „Apeldör“ in einer Knicklandschaft im Westen Schleswig-Holsteins 2002–04
Auf einem Golfplatz im Westen Schleswig-Holsteins ermittelte ich 2002–04 den Brutvogelbestand. Das Untersuchungsgebiet besteht im wesentlichen aus Grasland mit Gehölzen (Wallhecken) und Gewässern. Einschließlich der im Norden gelegenen Unterflächen (Wald und Siedlungsbauten mit Gärten) umfasst es 95 ha (Tab. 1). Insgesamt siedelten 53 Brutvogelarten mit 349 Paaren. Der eigentliche Golfplatz mit Randknick ist 91 ha groß. Hier brüteten 40 Arten, davon sieben dominant. Mit 222 Paaren beträgt die Gesamtabundanz 22,4 Paare/10 ha, Diversität: 3,33 (Tab. 2). Im Wesentlichen führten landschaftsgestalterische Maßnahmen (Anlage von Gewässern, Duldung flächenreicher Roughs) zum Diversitätsgewinn der Vogelwelt. So konnten Wasser- und Bodenvögel Artenzahl und Bestände erweitern – führend die Feldlerche mit 20 Sängern (Graslanddichte 2,5 Sänger/10 ha, in der Umgebung nur 0,1/10 ha, p < 0,001). Für weitere Arten (Reiherente, Blesshuhn, Austernfischer und evtl. Kuckuck) bildet das Gebiet eine Habitatinsel. Im Vergleich (für Arten mit >2 Paaren) mit der Agrar-Knicklandschaft erreichen 11 Arten (Tab. 2) vergleichsweise größere Dichten und fünf Arten geringere Bestände. Dreizehn Arten kommen in signifikant gleicher/ähnlicher Dichte wie in der Knicklandschaft vor. Das Diversitätsverhältnis beträgt 3,33 (Golfplatz) zu 2,76. Fast alle Individuen ernähren sich auf dem Gelände, Bruterfolge scheinen mindestens populationserhaltend, Störungen durch den Spielbetrieb und Prädation (Aaskrähe) vernachlässigbar gering zu sein. Das Gebiet liegt nach zwei Bewertungsverfahren zwischen kreisweiter und regionaler Bedeutung. Aus dem Vergleich mit zehn weiteren Golfplätzen ergibt sich folgendes Fazit (nach Flade 1994): Golfplätze bilden keinen eigenen Landschaftstyp, sondern sind bezüglich der Brutvogelgemeinschaft als „fragmentarische Parks“ anzusehen. Eine eigene Leitartengruppe lässt sich nicht herleiten.


Kuznetsova, D. V., V. O. Salovarov & M. Lieser:
Veränderungen der Vogelgemeinschaften in Wäldern nach Frühjahrsbränden im südlichen Baikalvorland
In Kiefernwäldern des südlichen Baikalvorlandes treten nach Frühjahrsbränden massive Wandlungen der Vogelgemeinschaften auf (Zerstörung von Bruten, Habitatveränderung). Von den 24 Arten der alten Wälder blieben unmittelbar nach dem Feuer nur drei Arten übrig (Baumpieper, Tannenmeise, Karmingimpel), und eine Art (Singdrossel) wurde neu registriert. Die Individuendichte sank auf etwa ein Fünftel ab, wobei allein der Baumpieper seine Dichte beibehielt und somit weiterhin dominierte. Im Spätsommer ließen sich neun Arten beobachten, wovon Buntspecht, Tannen- und Weidenmeise bereits ähnliche Zahlen wie vor dem Brand erreichten. Die Gesamtindividuendichte erreichte in dieser Phase ihr Minimum (63 Ind./km2). Die dreijährigen Brandflächen wiesen im Frühsommer 12 Arten auf. Durch die zunehmende Verbuschung wurden Laubsänger, Strichelschwirl, Rubinkehlchen, Blauschwanz, Braunwürger (als neue Arten) sowie der Karmingimpel gefördert. Der vorher dominierende Baumpieper nahm in seiner Abundanz stark ab. In der zweiten Sommerhälfte stellten sich dann Arten in recht hohen Dichten ein, die vom Nahrungsangebot (durch Beersträucher usw.) profitierten (vor allem Haselhuhn und Drosseln). Artenzahl und Abundanz lagen aber immer noch deutlich unter den Werten der alten Wälder.


Klein, R. & G. Neubauer:
Einflüge von Steppenmöwen Larus cachinnans und Mittelmeermöwen L. michahellis ins nördliche Mitteleuropa – Herkunft, Ursachen, Verlauf und Trend
Auf der Grundlage von Ringwiederfunden wird das saisonale Vorkommen von Steppen- und Mittelmeermöwe im deutschen und polnischen Tiefland aufgezeigt. Ihre größte Häufigkeit erreichen beide Formen im Spätsommer und Herbst. Während in Polen Steppenmöwen ihre Höchstzahlen im Juli und dann wieder im Winter aufweisen, ist dies in Deutschland im Herbst der Fall, ohne dass auffällige Winterkonzentrationen zu verzeichnen sind. Beringte Mittelmeermöwen sind relativ regelmäßig zwischen Juli und November anzutreffen, fehlen im Winter allerdings in Polen und an der deutschen Ostsee. Sie stammen überwiegend von der nördlichen Adria (Italien, Kroatien), einige auch aus der Toskana und der Schweiz. Es werden die möglichen Ursachen dieser Wanderungen diskutiert und die wahrscheinlichen Routen in Karten skizziert. Anscheinend ist die Steppenmöwe im Begriff, sich in Mitteleuropa als fester Brutvogel zu etablieren, wobei sie in Zukunft speziell im östlichen Binnenland die Silber- und Mittelmeermöwe vermutlich ganzjährig überflügeln wird.


Adulte Steppenmöwe (23. Aug. 2004). Foto: A.Kormannshaus

Adulte Steppenmöwe (23. Aug. 2004). Foto: A.Kormannshaus

Steiof, K.:
Zur Phänologie von Silber-, Mittelmeer- und Steppenmöwe Larus argentatus, L. michahellis, L. cachinnans in Berlin in den Jahren 2000–2004
An einem innerstädtischen (Osthafen) und einem randstädtischen (Müggelsee) Großmöwen-Schlafplatz wurden bei 187 Terminen insgesamt über 73.000 Großmöwen gezählt. Hierbei sind jeweils möglichst große Stichproben auf Artniveau und nach Alter bestimmt worden, was bei gut 29.700 Vögeln (41%) gelang. Die größten Rastbestände treten mit maximal 4.100 Großmöwen am Müggelsee auf, der damit den bedeutendsten Großmöwen-Schlafplatz in Berlin und Brandenburg beherbergt. Nachbrutzeitlich fliegen Großmöwen im Juli ein (im Mittel 155 Individuen); die Bestände überschreiten im Oktober die 1.000 und sind von Dezember bis Februar am höchsten mit einem Januar-Durchschnitt von 3.200. Bereits im März ist der Bestand auf 1.200 Vögel abgesunken, und ab Mai sind allenfalls Einzelvögel anwesend. Die Mittelmeermöwe dominiert im Juli/August, hat im Oktober das Maximum (180) und nimmt zum Mittwinter auf unter 20 Individuen ab. Das verstärkte Auftreten im Februar (60 Ind.) kann von Brutvögeln des ostdeutschen Binnenlandes oder von Durchzüglern in (ost)mediterrane Brutgebiete gebildet werden. Die Silbermöwe dominiert ab September und erreicht im Januar und Februar Bestände von rund 3.000 Vögeln (bis einmalig 3.850). Bei ihr fliegen bis Dezember hauptsächlich Altvögel ein. Ganz massiv erscheinen im Januar und Februar aber Jungvögel, die vermutlich nach Zuzug von Silbermöwen nördlicher Herkunft in die südliche Ostsee der dann wachsenden Konkurrenz ausweichen. Vögel mit gelben Beinen („omissus“) treten ganzjährig auf und stellen bei einzelnen Zählungen bis zu 8–14% der adulten Silbermöwen, meistens jedoch eher 1–5%. Die Steppenmöwe fliegt ab Juli ein und nimmt bis zum Maximum im Januar (160) kontinuierlich zu, dann bis April zügig wieder ab, mit verstärktem Auftreten von vorjährigen Vögeln im Februar…


Dierschke, V.:
Mülldeponien als winterlicher Lebensraum für Silbermöwen Larus argentatus aus der südöstlichen Nordsee

 

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