Unser aktuelles Heft:

Die Vogelwelt Bd. 137 4/2017

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Schwerpunkte
  • Themenheft Wiesenweihe – Special Issue Montagu’s Harrier
  • Brutbestände
  • Lebensräume
  • Schutzmaßnahmen
  • Kopter-Einsatz zum Schutz der Wiesenweihe

Illner, H.:
Brutbestände der Wiesenweihe Circus pygargus und Nestschutzmaßnahmen in Deutschland 2003 bis 2014

Artexperten in den deutschen Bundesländern wurden nach den Brutpaarzahlen der Wiesenweihe, zum Erfassungsgrad und zu Maßnahmen zum Schutz von Nestern in landwirtschaftlichen Kulturen im Zeitraum 2003-2014 befragt. Die Zahl nachgewiesener Brutpaare, genauer gesagt brütender Weibchen, reichte im Zeitraum 2004-2014 von 289 bis 450, und sie schwankte von Jahr zu Jahr zum Teil stark. Am stärksten stieg der Brutbestand von 2006 auf 2007 (40 %) und am stärksten fiel er von 2012 auf 2013 (-23 %), was vor allem durch einen großflächig einheitlichen Bestandsverlauf des Hauptbeutetiers, der Feldmaus Microtus arvalis erklärt wird. Von einem Mittelwert von 341 im Zeitraum 2004-2007 stieg die nachgewiesene Zahl brütender Weibchen um 20 % auf 408 im Zeitraum 2011-2014. Unter Einrechnung der schätzungsweise nicht erfassten Bruten betrug die Anzahl brütender Weibchen im Mittel der Jahre 2004-2007 in Deutschland wahrscheinlich etwa 400 und von 2011-2014 etwa 460, was einer Steigerung von 15 % entspricht…


Typische Landschaft im Untersuchungsgebiet (Foto: C. Köllner-Krüger)

Krüger, R.M., U. Lanz, C. Pürckhauer & H. Klein:
Getreidebrütende Wiesenweihen Circus pygargus in Franken 1994-2015 am Schnittpunkt von Biologie, Landnutzung, Naturschutz und Politik

1993 war der bayerische Bestand der Wiesenweihe fast erloschen. Zwei 1994 erfolgreich in Getreidefeldern (Landkreise Würzburg und Neustadt a. d. Aisch-Bad Windsheim) brütende Paare waren eine Überraschung. Dies war der Anfang einer Entwicklung, die im Jahr 2015 mit 203 Brutpaaren einen vorläufigen Höhepunkt erreichte. Außerhalb Mainfrankens gibt es in Bayern noch kleinere Brutvorkommen vor allem im Nördlinger Ries, aber auch auf den Straubinger Gäuböden. Zusammen mit weiteren isolierten Einzelvorkommen brüten in ganz Bayern etwa 230 Paare, fast immer in Getreidefeldern. Die meisten Jungvögel würden die Ernte ohne Intervention nicht überleben….


Wiesenweihen-Beuteübergabe (eine Eidechse) im westlichen Weinviertel, Niederösterreich, 2. Juni 2011 (Foto: W. Pfitzner)

Sachslehner, L.:
Wiesenweihen Circus pyrgargus in Österreich: Bestand, Lebensräume, Schutzmaßnahmen

Die Wiesenweihe brütete in den letzten 15 Jahren in Österreich in den östlichen Bundesländern Burgenland und Niederösterreich regelmäßig, in den anderen Bundesländern erschien sie nur auf dem Frühjahrs- und Herbstdurchzug.

Im Burgenland trat die Art aktuell sehr lokal und fluktuierend in insgesamt vier bis acht Brutpaaren im Neusiedler See-Gebiet und im Mittelburgenland auf. Ein beständiges Brutvorkommen wurde derzeit nur im Hanság (Pflegezone NP Neusiedler See-Seewinkel bzw. Europaschutzgebiet) mit zwei (ein bis drei) Paaren verifiziert, wo auch Schutzmaßnahmen (Mahdverzögerung in der Umgebung des Horstes) erfolgten. Ein eindeutiger Bestandstrend wurde für das Burgenland nicht bekannt….


Effektiver Nestschutz einer Wiesenweihenbrut in Getreide (Foto: M. de Jonge)

Schlaich, A.E., R.H.G. Klaassen & B.J. Koks:
25 Jahre Schutz der Wiesenweihe Circus pygargus in den Niederlanden – was können wir daraus lernen?

Der Schutz von Arten beginnt beim Erhalt und der Wiederherstellung ihrer Lebensräume. Für Arten, die während ihres gesamten Jahreszyklus abhängig von Kulturlandschaften sind, bedeutet dies, dass vor allem in Zusammenarbeit mit Landwirten nach Möglichkeiten gesucht werden muss, den Bruterfolg zu erhöhen und gleichzeitig das Nahrungsangebot zu verbessern. In der Provinz Groningen in den Niederlanden hat sich Anfang der 1990er Jahre ein kleiner Wiesenweihenbestand angesiedelt. Um diesen zu erhalten, wurden Agrarumweltmaßnahmen eingeführt und vielseitige Untersuchungen begonnen…


Nisthabitate der Wiesenweihe in Estland – Brachland (Foto: Ü. Väli)

Väli, Ü.:
Gegenwärtige Situation der Wiesenweihe Circus pygargus in Estland: Bestand, Bruterfolg und Habitatwahl

Die Wiesenweihe ist ein weit verbreiteter Greifvogel, dessen Bestandstrends und Habitatnutzung sich in den Ländern Europas stark unterscheiden. Der Bestand Estlands wuchs während des 20. Jahrhunderts an, in den letzten beiden Jahrzehnten veränderte sich die Bestandsgröße jedoch nicht. Heute kann sie auf 200-400 Paare geschätzt werden…


Nest der Wiesenweihe in einem Winterweizenfeld im Nordosten der Belgorod Region, 12. Juli 2014 (Foto: A. Sokolov)

Sokolov, A.:
Die Wiesenweihe Circus pygargus im europäischen Russland: aktueller Status, Dynamik des Brutareals und der Bestandszahlen sowie einige ökologische Aspekte

Der europäische Teil Russlands beherbergt etwa 75 % der europäischen Population der Wiesenweihe. Nach den neuesten veröffentlichten Daten leben dort 20.000-35.000 Brutpaare (Bp). In den meisten Teilen des russischen Brutgebiets (mit Ausnahme seiner Peripherie) ist die Wiesenweihe eine vergleichsweise gängige Brutvogelart. Sie erreicht in fast allen Regionen nur geringe Populationsdichten und zeigt häufig periodische Schwankungen. In vielen russischen Regionen wuchs die Population zwischen 1990 und 2005 signifikant. Ein großer Teil dieses Anstieges ist auf den plötzlichen Einbruch der Landwirtschaft im Allgemeinen und auf die Entstehung von großen ungenutzten landwirtschaftlichen Flächen zurückzuführen…


Bruthabitat der Wiesenweihe in der Polessie (Foto: S. Domashevsky)

Bashta, A.-T., S. Domashevsky, V. Vetrov & M. Skyrpan:
Status der Wiesenweihe Circus pygargus in der Ukraine

Die Wiesenweihe ist in der Ukraine ein seltener, nur sporadisch vorkommender Brutvogel. Sie besiedelt das gesamte Land mit Ausnahme der Bergregionen. Ihr Bestand liegt derzeit bei mindestens 2.000-3.000 Brutpaaren. Die Bestandsdichten nehmen von West nach Ost zu. Der Bestand ist eher instabil, und im Osten der Ukraine geht er sogar eindeutig zurück…


Santangeli, A. & B. Arroyo:
Die Wiesenweihe Circus pygargus in Spanien: Bestandsgröße, Bestandstrend, Nisthabitat, Maßnahmen zum Nestschutz und Lösungen zum Schutz

Die Wiesenweihe ist ein gewöhnlicher und weit verbreiteter Brutvogel der Agrarlandschaften Spaniens. Mit im Jahr 2006 geschätzten 6.093–7.398 Brutpaaren handelt sich um den wichtigsten Bestand Westeuropas. Obwohl der Landesbestand stabil zu sein scheint, gibt es regional ganz unterschiedliche Bestandtrends, darunter auch starke Abnahmen. Die Wiesenweihe ist Gegenstand von Schutzbemühungen in Spanien. Da 88 % der Paare in Gertreidefeldern brüten, konzentrieren sich Schutzmaßnahmen darauf, die negativen Effekte von Erntemaßnahmen auf den Bruterfolg zu mindern, wobei die Art und Intensität des Schutzes räumlich und zeitlich sehr unterschiedlich sind….


Im Rahmen des Vertragsnaturschutzes angelegte artenreiche Ackerbrache im Vogelschutzgebiet Hellwegbörde, Juni 2014 (Foto: R. Joest)

Joest, R.:
Vom Nestschutz für die Wiesenweihe Circus pygargus zum Lebensraumschutz für Feldvögel – neue Entwicklungen im Europäischen Vogelschutzgebiet Hellwegbörde (NRW)

Die Hellwegbörde in Nordrhein-Westfalen ist ein bedeutendes Brutgebiet für die Wiesenweihe und andere Feldvögel. Das Gebiet wurde 2004 als EU-Vogelschutzgebiet ausgewiesen. Die Bestandsentwicklung der Wiesenweihe und weiterer relevanter Vogelarten ist negativ. Wesentliche Rückgangsursache ist neben dem Flächenverbrauch die Intensivierung der Landbewirtschaftung. Neben dem Schutz der Nester der Wiesenweihe werden seit 2001 im Rahmen von Vertragsnaturschutz-Programmen verschiedene Maßnahmen zur Verbesserung des Lebensraumes für Feldvögel durchgeführt….


Konrad Bauer mit seinem Oktokopter, den er im Nördlinger Ries (Landkreis Donau-Ries) einsetzte (Foto: C. Pürckhauer)

Kilic, J. & C. Pürckhauer:
Koptereinsatz im Schutz der Wiesenweihe Circus pygargus: Wie reagieren die Vögel auf die Kontrolle der Bruten aus der Luft und eignet sich diese Methode?

Die Wiesenweihe brütet heute in Deutschland fast ausschließlich in landwirtschaftlich genutzten Flächen. Hier sind jedoch die Bruten meist durch zu frühe Mahd gefährdet. Um zu bestimmen, ob die Brut zum Mahdzeitpunkt schon flügge ist, werden die Nester aufgesucht. Dabei werden aber Spuren hinterlassen, die Prädatoren zur Brut führen können…


Oktokopter mit Wärmebildkamera, GoPro-Kamera und Computer PI NetBox LW mit Windows Betriebssystem (Foto: K. Bauer)

Kronberg, J. & K. Bauer:
Kopter im Wiesenweihenschutz – neue Perspektiven. Einsatz eines Kopters mit Wärmebild- und GoPro-Kamera zum Schutz der Wiesenweihe Circus pygargus

Der Einsatz von Drohnen im Artenschutz kann den Zeitaufwand für das Monitoring bedrohter Arten minimieren. In dieser Studie wurde der Einsatz eines Oktokopters in Kombination mit einer visuellen, einer Wärmebildkamera und eines Computers zur Ermittlung der Horstkoordinaten und zur Speicherung der Flugdaten für das Monitoring der Wiesenweihe untersucht. Es wird gezeigt, dass Oktokopter, die mit einer solchen technischen Ausstattung ausgerüstet sind, eingesetzt werden können, um den Horststandort zu lokalisieren…


Vögel machten einen Anteil von 20% an der Beute-Biomasse aus: hier verfüttert das Weibchen ein Küken eines Hühnervogels (Foto: Automatische Aufnahme, Hellwegbörde Sommer 2012)

Härting, C., H. Illner & J. Kamp:
Die Nutzung von Fotofallen zur Quantifizierung von Beuteeinträgen brütender Wiesenweihen Circus pygargus

Im EU-Vogelschutzgebiet Hellwegbörde in Nordrhein-Westfalen wurde durch den Einsatz von Fotofallen an zehn Nestern der Wiesenweihe in den Jahren 2012 und 2013 die eingetragene Beute an drei ausgewählten Tagen zwischen dem zehnten und 16. Lebenstag der Jungvögel erfasst. Insgesamt haben wir 315 Beuteeinträge auf den Fotos festgestellt, diese in vier Beutetiergruppen (Säugetier, Vogel, Sonstiges, Unbekannt) unterteilt und die Masse der eingetragenen Beutestücke anhand der Fotos geschätzt…


Pürckhauer, C.:
Schutzstrategien: Wie treiben wir den Schutz der Wiesenweihe Circus pygargus in Deutschland und Europa effizient voran? Welchen ‚Action Plan‘ für die Wiesenweihe brauchen wir?

Die Bestände der Wiesenweihe gehen in den drei EU-Ländern mit den größten Populationen, in Frankreich, Polen und lokal auch in Spanien alarmierend zurück, und dies trotz teils erheblicher Schutzbemühungen. Daher war es an der Zeit, sich intensiv unter Fachleuten aus Europa über die Optimierung der Schutzstrategien auszutauschen. Derzeit wird in Mittel- und Westeuropa für den Arterhalt ein aufwändiger Schutz der einzelnen Bruten vor der Ernte betrieben, denn mittlerweile brüten die weitaus meisten Wiesenweihen dieser Region auf Getreideackerflächen, und etwa 60 % der Bruten sind zum Erntetermin noch nicht flugfähig…

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