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Jahresinhalts- und Artnamenverzeichnisse der VOGELWELT
Die Inhaltsverzeichnisse und Artnamen-Indizes der VOGELWELT aus den Jahrgängen 2000-2010 finden Sie unter dem Menüpunkt "Downloads"

 

Vogelwelt 2/2011
Schwerpunkte:
  • Nahrungsökologischer Wandel bei Sing-, Zwerg- und Höckerschwan von 1965 bis 2010
  • Brachefenster im Wintergetreide: eine Hilfe für den Ortolan?
  • Modellierung der Populationsdynamik des Schreiadlers
  • Bestandsrückgang von Wiesenlimikolen in Westpolen
Weidender Singschwan auf einem Rapsfeld nördlich Predöhlsau, Kreis Lüchow-Dannenberg, Januar 2011.
Meier-Peithmann, W.:
Dokumentation des nahrungsökologischen Wandels bei Sing-, Zwerg- und Höckerschwan Cygnus cygnus, C. bewickii, C. olor von 1965 bis 2010 in den Dannenberger Elbbögen.
Seit den 1980er Jahren haben sich Schwäne in ihren mitteleuropäischen Rast- und Überwinterungsgebieten von (semi-)aquatischer auf überwiegend terrestrische Nahrung umgestellt. In dieser Arbeit wird der Verlauf des nahrungsökologischen Wandels mit Bedingungen, Ausmaß und Folgen über einen Zeitraum von viereinhalb Jahrzehnten in den Dannenberger Elbbögen aufgezeigt. Das Untersuchungsgebiet gehört zu den bedeutendsten Durchzugs- und Winterquartieren in Deutschland. Der nahrungsökologische Wandel wirkte sich im Zusammenhang u. a. mit milderen Wintern besonders auf Jahresperiodik, Dispersion und Populationshöhe der Schwäne aus. Das frühe und dauerhafte Angebot sowie die fast ununterbrochene Erreichbarkeit von Rapsnahrung haben die ursprünglichen Jahresgänge mit den artspezifischen Gipfeln zugunsten einer ausgewogeneren Verteilung über das gesamte Winterhalbjahr hinweg einander angeglichen. nach Umstellung auf terrestrische nahrung hat besonders der Singschwan zunehmend auch Rast- und Überwinterungsgebiete zwischen den bis dahin ausschließlich aufgesuchten Flusssystemen etwa von Elbe, Weser und Ems sowie weitab von Seen und Küsten bezogen. So nahmen die Rastbestände von Singschwan und Zwergschwan in den beiden zurückliegenden Jahrzehnten im Bereich der Dannenberger Elbbögen leicht ab, während sie sich in ganz Deutschland fast verdoppelten bzw. verdreifachten. In den kommenden Jahren werden u. a. die Auswirkungen der voraussichtlich weiteren Zunahme des Anbaus von Mais, der Schwänen nur in der Stoppelfeldphase als Nahrung zur Verfügung steht, auf Präferenzen, Jahresperiodik, Bestandshöhe, groß- und kleinräumige Verteilung usw. der drei Arten zu erkunden sein.


Brachefenster in Winterweizen.
Gues, M. & C. Pürckhauer:
Brachefenster in Wintergetreide: eine Hilfe für den stark gefährdeten Ortolan Emberiza hortulana?
Der Bestand des Ortolans geht in Bayern stark zurück. Daher werden im Rahmen des Artenhilfsprogrammes Ortolan des Landesbunds für Vogelschutz in Bayern e.V. (LBV) und des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU) verschiedene Maßnahmen zum Schutz des Ortolans erprobt. Dazu zählt auch die Anlage sog. „Ortolanfenster“. Dies sind gezielt angelegte Fehlstellen im Wintergetreide. Da innerhalb der letzten Jahrzehnte der Bewuchs von Wintergetreideflächen immer dichter und höher wurde, sollen die Fenster dem Ortolan auf Grund ihrer lückigeren und niedrigeren Vegetationsstruktur ein zusätzliches Nahrungshabitat bieten. Dicht und hoch bewachsene Getreideackerflächen gelten als wenig geeignet für den Ortolan. Das Ziel der Studie war es, zu untersuchen, ob die Fenster auch tatsächlich als Nahrungshabitat angenommen und gegenüber anderen Flächen präferiert werden. Dazu wurden insgesamt 2.956 Nahrungsflüge kartiert. Die Studie erfolgte im Untersuchungsgebiet Grettstadt, Landkreis Schweinfurt, Bayern. Die zehn intensiv erfassten Brutpaare bevorzugten zur Nahrungssuche signifikant sowohl Ortolanfenster als auch Waldränder, Hecken und Rübenackerflächen. Die zeitliche Verteilung der Nahrungsflüge zeigte, dass Waldränder und Hecken vor allem zu Beginn der Brutsaison stark genutzt wurden. Das reiche Angebot an Insekten in den Baumkronen stellt einen wichtigen Teil der Nestlingsnahrung dar. Rübenflächen hingegen nahmen erst gegen Ende der Brutzeit an Bedeutung zu. Die Fenster wurden verstärkt zu Beginn und gegen Ende des Beobachtungszeitraumes angenommen. Während dieser Wochen machten die Flüge in die Fenster bis zu 10 % aller Nahrungsflüge aus. Dies könnte auf eine Bedeutung der Fenster als Nahrungshabitat während der Erholung vom Frühjahrszug bis zum Ende der Brutphase und während der Vorbereitung auf den Herbstzug hinweisen. Die Studie liefert abschließend einige wichtige Schlussfolgerungen für den praktischen Schutz des Ortolans.




Die Nahrungsbasis ist entscheidend für gute Reproduktionsergebnisse beim Schreiadler.
Langgemach, T. & J. Böhner:
Modellierung der Populationsdynamik des Schreiadlers Aquila pomarina in Brandenburg: Welchen Effekt haben Jahre mit extrem niedriger Reproduktion?
Monitoringdaten für den Schreiadler in Deutschland seit 1994 belegen einen anhaltenden und signifikanten Rückgang der Art. In der jüngeren Vergangenheit gab es mehrfach Jahre mit extrem niedrigem Bruterfolg in verschiedenen Teilen des europäischen Verbreitungsgebietes, für die ungünstige Witterung in der Bebrütungs- und Nestlingsphase, Nahrungsmangel und späte Ankunft im Brutgebiet als Ursachen diskutiert werden. Da Habitatveränderung und Klimawandel künftig häufiger zu solchen „Katastrophenjahren“ führen können, haben wir mit Hilfe stochastischer Simulierung (Programm Vortex) den Einfluss solcher Jahre auf die langfristige Populationsdynamik untersucht. Variiert wurden dabei die Auftrittshäufigkeit (alle 5, 10, 15 oder 20 Jahre) und die Fortpflanzungsrate (20 %, 10 % oder 0 %, gegenüber durchschnittlich 60 % erfolgreicher Paare in normalen Jahren). Einzelne Katastrophenjahre wirken sich nur relativ geringfügig aus, aber der Einfluss steigt, je häufiger sie auftreten und je stärker der Bruterfolg sinkt. Das ungünstigste Szenario (0 % Bruterfolg alle 5 Jahre) hat bereits einen deutlichen Effekt und würde eine Population von 46 Individuen (Bestand in Brandenburg 2005), entsprechend 23 Brutpaaren, innerhalb von 50 Jahren auf 15 Individuen absenken, was dann nur noch 60 % einer Kontrollpopulation ohne Katastrophenjahre entspräche. In diesem Fall steigt das Risiko des Aussterbens der Population von 3,8 % auf 9,3 %. Da die meisten bisher dokumentierten Katastrophenjahre mit ungünstigen Witterungsbedingungen assoziiert waren, scheint der gegenwärtige Klimawandel ein erhebliches zusätzliches Risiko vor allem für kleinere Populationen des Schreiadlers mit sich zu bringen. Die tatsächlichen Auswirkungen sind schwer vorherzusagen, könnten aber in Verbindung mit anderen dokumentierten Risiken, wie Habitatveränderung und menschlicher Verfolgung auf dem Zugweg, dramatisch sein.

weitere Inhalte:
  • Lawicki, L. et al.:
    Langfristiger Bestandsrückgang von Wiesenlimikolen in Westpolen

DDA-AKTUELL 3/2011 

  • 17. Jahrestagung der Koordinatoren des Monitorings rastender Wasservögel
  • DDA persönlich
  • 2. Treffen der Wasservogelzähler am Bodensee
  • 2. Treffen der Wasservogelzähler in Sachsen-Anhalt
  • DDA persönlich: Zum Tod von Dr. Walther Thiede


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Heft 2/2011

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