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Aktuell
Weltweite Antibiotika-Resistenzen bei Zugvögeln
Gegen Antibiotika resistente Bakterien können im Vogeldarm bis in die Arktis getragen werden. Etwa jeder zwölfte Vogel beherbergt Kolibakterien, die gegen mindestens einen Wirkstoff resistent sind. Während der Expedition „Beringia 2005“ zu den nördlichen Küsten Grönlands, Alaskas und Sibiriens wurden Kloakenabstriche und Kotproben von 97 Vögeln noch auf dem Forschungsschiff auf resistente Keime von Kolibakterien (Escherichia coli) untersucht. In acht Fällen war unter den Darmbakterien mindestens ein Typ gegen wenigstens 1 von 17 Antibiotika resistent. In vier Fällen lag eine Resistenz gegen fünf oder mehr Wirkstoffe vor. Möglicherweise hatten die Vögel die resistenten Keime bei Zwischenstopps in Südostasien „aufgelesen“. In dieser Region besteht aufgrund des weit verbreiteten Einsatzes von Antibiotika ein sehr starker Druck auf Bakterien, Resistenzen zu entwickeln und beizubehalten. Ein besonders hoher Anteil an E.coli-Bakterien wurde bei Kanadagänsen an der amerikanischen Ostküste von Maryland festgestellt. (B. Olsen: Emerging Infectious Diseases, Vol 14 (1)).

 

Die Vogelwelt 2/2008
Schwerpunkte:
  • Der Niedergang der Rauschschwalbe in den westfälischen Hellwegbörden
  • Ändert sich der Mittelspecht oder ändern sich die Umweltbedingungen?
  • Überwinternde Feldvögel auf nordostdeutschen Ökolandbauflächen
  • Nistplatzwahl und Siedlungsdichte der Elster in Novi Sad
  • Ringfunde des Wachtelkönigs aus Afrika und vom Sinai
Typisches Schlechtwetternahrungsgebiet in der Hellwegbörde. Nach Westen windgeschützte Obstwiesen und Baumreihen in Orts- und Grünlandnähe.
Karl-Heinz Loske
Der Niedergang der Rauchschwalbe Hirundo rustica in den westfälischen Hellwegbörden 1977–2007
Die Rauchschwalbe hat in den Hellwegbörden im östlichen Kreis Soest (28,3 km2) von 1977 bis 2007 um rund 66 % abgenommen. Die Daten aus 13 Dörfern und 112 Gehöften zeigen, dass der Bestandsrückgang auch in optimalen Lebensräumen (Bachauen) hochsignifikant war. Seit einem ersten Bestandstief 1987 besserte sich die Situation bis 1998 vorübergehend. Von 1999 bis 2002 ging der Bestand dann weiter bis auf ein absolutes Tief von 54 Bp. zurück. Seit 2003 verharrt der Bestand auf niedrigem Niveau. Bis 2007 gingen 77 von 112 Brutplätzen verloren, vor allem kleine Höfe mit niedrigem, gemischtem Viehbestand; sie wurden zu Wohnungen, leer belassen oder zu intensiver Schweinehaltung umgebaut. Die Brutplatzverluste betrafen überwiegend subotimale Einzelbrutplätze oder kleine Schwalbenkolonien. Im Gegensatz dazu konnten große Kolonien ihren Bestand halten und in Einzelfällen sogar deutlich steigern, wenn die Brutplätze zugänglich blieben.  Hauptursache für die starke Abnahme der Rauchschwalben ist das Verschwinden der strukturreichen Kulturlandschaft mit ihren – im Gegensatz zu Acker- und Silagegrünland – insektenreichen Schlechtwetter-Nahrungsgebieten. Indikatoren dieser Qualitätsverschlechterung sind die Intensivierung der Schweinehaltung, Rückgang und Modernisierung der Milchkuhhaltung und die Verstädterung der Dörfer durch übertriebene Sauberkeit und Hygiene. Die neuen Trends in der Tierhaltung (Boxenlaufställe für Rindvieh, Pensionspferdehaltung) bieten den Rauchschwalben keinen gleichwertigen Ersatz.


Mittelspecht.
Wulf Gatter & Hermann Mattes
Ändert sich der Mittelspecht Dendrocopos medius oder die Umweltbedingungen? Eine Fallstudie aus Baden-Württemberg
Im 631 km² großen Landkreis Esslingen (Waldanteil 30 %) wurden in den Jahren 2004–2007 mit Hilfe von Klangattrappen bei einem überwiegend einmaligen Erfassungsdurchgang 1114 Reviere des Mittelspechts gezählt (1,77 Reviere/km²). Selbst in großen zusammenhängenden Waldungen, in denen Teile altersmäßig oder von der  Baumartenzusammensetzung für den Mittelspecht weniger geeignet erscheinen, wurden bis zu 12,6 rev./km² festgestellt. Das sind Dichten, wie sie auch im  Nationalpark Bialowieza (Polen) vorkommen. Gegenüber früheren Feststellungen hat der Mittelspecht stark zugenommen. In einigen Probeflächen, die seit den 1960er und 1970er Jahren kontrolliert werden, hat sich die Zahl der Brutpaare bzw. Reviere mehr als verdoppelt. Der Mittelspecht besiedelt heute zudem viele Wälder, in denen er vor 20 Jahren selten war oder fehlte. Außerdem erreicht er in Obstbaumwiesen als einem „Waldsavannentyp“. Dichten wie in optimalen Eichenwäldern, obwohl im Vergleich zu Wäldern nur etwa ein Zehntel der Holzmasse vorhanden ist. Aufgrund der vorliegenden Zahlen wird vermutet, dass der Bestand des Mittelspechts in Baden-Württemberg 10.000 Brutpaare deutlich übersteigt. Für die Zunahme des Mittelspechts werden neben milden Wintern als wichtige Ursache die Zunahme holzbrütender Insekten, das seit 50 Jahren anwachsende Durchschnittsalter der Wälder und vor allem der Flächenzuwachs grobrindiger wertvoller Edellaubhölzer in den früher reinen Buchenwäldern sowie schließlich die nachlassende Brutplatzkonkurrenz durch Star und Feldsperling angenommen.



Gemähte Feldfutterflächen im Untersuchungsgebiet bei Brodowin im Herbst 2004.
Jochen Bellebaum
Röhricht, Kleegras, Stoppelfeld – überwinternde Feldvögel auf nordostdeutschen Ökolandbauflächen
Mittels Punkt-Stopp-Zählung wurden Häufigkeit und Verteilung von Feldvögeln auf den Flächen eines großen Ökolandbau-Betriebes über drei Winter erfasst. Die meisten im Gebiet überwinternden Arten waren Samenfresser, Kleinsäuger fressende Greifvögel und Omnivore. Arten aus allen drei Gilden nutzten die ökologisch bewirtschafteten Flächen regelmäßig zur Nahrungssuche. Getreidestoppel und Feldfutter wurden am häufigsten genutzt und von Goldammer (Samenfresser) und Turmfalke (Greifvogel) bevorzugt. Das Vorhandensein ungemähter Streifen in Feldfutterflächen hatte nur geringe Auswirkungen auf überwinternde Vögel. Andere Arten nutzten und bevorzugten Gehölze als Deckung und Röhrichte als Schlafplatz. Goldammern zeigten einen temperaturabhängigen Wechsel zwischen Schwarmbildung bei Kälte und beginnender Revierbesetzung bei Erwärmung. Der infolge der Fruchtfolge des Ökobetriebs relativ hohe Anteil nahrungsreicher Flächen im Winter ermöglicht wahrscheinlich hohe Brutbestände von Gold- und Grauammer.

weitere Inhalte:
  • Tucakov, M, & I. Kucsera
    Nistplatzwahl und Siedlungsdichte der Elster Pica Pica in Novi Sad (Serbien)
  • Walther, B. A.
    Ringfunde des Wachtelkönigs Crex crex aus Afrika und vom Sinai


DDA-AKTUELL

  • Vögel in Deutschland 2008
  • ADEBAR auf der Zielgeraden - ADEBAR in Thüringen
  • Bundesweite Möwen-Schlafplatzzählungen - Ergebnisse des Winters 2007/2008
  • Europaweite Goldregenpfeiferzählung 2008 - erste Eindrücke
  • Dünnschnabelbrachvögel gesucht
  • Brutvogelmonitoring auf europäischer Ebene
  • Rote Liste der Brutvögel Deutschlands


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Heft 1/2010

Beiträge zur Vogelkunde


 
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