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Aktuell

 

Die Vogelwelt 3/2007
Schwerpunkte:
  • Der Ortolan im Wendland - Bestandszunahme durch Grünlandumbruch und Melioration?
  • Farbberingung von Seeadlern in Schleswig-Holstein
  • Wintervorkommen von Krähenvogelarten in Mecklenburg-Vorpommern
  • Satellitentelemetrie der Zugwege neuer Heringsmöwen
  • Jahreszeitliches Auftreten und Bestandsentwicklung der Turteltaube an der Deutschen Bucht
Die jungen Seeadler werden im Alter von etwa 5-8 Wochen mit codierten Farbringen im Nest markiert.
Struwe-Juhl, B.. & T. Grünkorn
Ergebnisse der Farbberingung von Seeadlern Haliaeetus albicilla in Schleswig-Holstein mit Angaben zu Ortstreue, Umsiedlung, Dispersion, Geschlechtssreife, Altersstruktur und Geschwisterverpaarung.Im Rahmen des internationalen Farbmarkierungsprogramms wurden zwischen 1977 und 2006 insgesamt 378 junge Seeadler in Schleswig-Holstein beringt. Von diesen konnten bis zum 31. Dez. 2006 mindestens 139 Vögel durch Ablesung (92) oder Totfund (47) nachgewiesen werden. Die Wiederfundrate betrug 37 %, die Totfundrate 12 %. Unter den in Schleswig-Holstein abgelesenen Seeadlern waren zu 62 % immature Vögel (K1 bis K4), die in den Monaten Oktober bis Januar vor allem an abgelassenen Fischteichen beobachtet wurden. Die Identifizierung der Altvögel fand vorrangig von Februar bis Juni in den Brutgebieten statt.
Die Dispersion der jungen Seeadler erfolgte in alle Richtungen. Im K1 bis K3 streiften die Jungen zumeist einzeln und weiträumig umher. Sie wurden dabei sporadisch in der Umgebung ihres Geburtsortes festgestellt. Im K4 und K5 versuchten sie ein Brutterritorium in der Nähe ihrer Geburtsregion zu besetzen. Da dies bei steigender Siedlungsdichte zunehmend schwieriger wurde, siedelten sich die jungen Vögel auch in benachbarten Ländern wie Dänemark, den Niederlanden und Polen an, wobei Entfernungen von maximal 450 km zurückgelegt wurden. Aufgrund des erheblichen Populationswachstums in den letzten Jahren zeigt dieser junge Seeadlerbestand somit eine vitale Ausbreitungsdynamik. Von 29 bekannten Ansiedlungsorten lagen 59 % in einer Entfernung von bis zu 100 km zum Geburtsort. Der Median der Ansiedlungsentfernung für alle 29 Vögel betrug 89 km.
Unter 270 vollständigen Ablesungen von farbmarkierten Seeadlern waren 224 Vögel aus Schleswig-Holstein (83 %) und 46 Vögel von außerhalb, wobei junge Vögel aus Mecklenburg-Vorpommern und Schweden überwogen und nur einzelne aus Finnland, Polen oder Brandenburg kamen. In der Verteilung der Nachweise von fremden Seeadlern spiegeln sich zum einen die Beringungsaktivitäten in den anderen Ländern als auch ihre räumliche Nähe zu Schleswig-Holstein wider.


Typischer Ortoloan-Lebensraum. Höhere Büche und Bäume, die unmittelbar an Getreideäcker angrenzen.
Deutsch, M.
Der Ortolan Emberiza hortulana im Wendland (Niedersachsen) – Bestandszunahme durch Grünlandumbruch und Melioration?
Das Wendland (Landkreis Lüchow-Dannenberg, Niedersachsen) ist mit bis zu 1.000 singenden Männchen einer der westlichen Verbreitungsschwerpunkte des Ortolans in Deutschland. Es ist vermutlich die einzige Population in Deutschland, für die ein Bestandsanstieg festgestellt wurde. Dieser wurde bisher mit einer höheren Erfassungseffizienz erklärt. Tatsächlich ist diese Erklärung nur unzureichend, denn auf einer Probefläche von 75 km2 hängt die Zunahme stark mit einer großflächigen Nutzungsänderung zusammen. Nach Umbruch von vormaligem Grünland hat dort der Anteil von Ackerflächen innerhalb von 15 Jahren von 43 auf 80 % zugenommen. Nach Zahlen der Landwirtschaftskammer muss diese Veränderung für große Teile des Landkreises gelten, was wiederum den insgesamt starken Bestandsanstieg des Ortolans erklären würde. Die Verteilung der Ortolanreviere in Abhängigkeit zum mittleren Grundwasserhochstand vor und nach der Umwandlung lässt vermuten, dass die Art auch von einem Absenken des Wasserspiegels profitiert hat. Die Abnahme typischer Wiesenvögel im Landkreis Lüchow-Dannenberg wie etwa des Braunkehlchens dürfen als unterstützendes Indiz gewertet werden. Mögliche Gefährdungsursachen für das Wendland werden diskutiert. Neben der allgemeinen Intensivierung auf landwirtschaftlichen Flächen ist hier insbesondere die zu erwartende Verminderung der Anbauvielfalt durch Konzentration auf ertragreiche Produkte zu nennen (z. B. weniger Roggen, mehr Triticale etc.). Die Flächenzunahme von nachwachsenden Rohstoffen (Mais, Grünroggen) ist Grund zur Besorgnis, da diese Anbauflächen nicht den Habitatansprüchen des Ortolans entsprechen. Eine Bestandsabnahme des Ortolans ist deshalb zu erwarten.


Lage und Verteilung der Krähenschlafplätze im Winter 2004/05 in Mecklenburg-Vorpommern.
Vökler, F.
Zum Wintervorkommen von Krähenvogelarten in Mecklenburg-Vorpommern – Ergebnisse einer landesweiten Schlafplatzerfassung im Winter 2004/05.
Im Winter 2004/05 wurden die Winterbestände von Saat- und Nebelkrähen sowie Dohlen in Mecklenburg-Vorpommern an Schlafplätzen erfasst. An 52 Schlafplätzen wurden insgesamt etwa 75.000 Saatkrähen, 12.000 Dohlen und 7.000 Nebelkrähen festgestellt. Viele kleinere Schlafplätze von Nebel- und Rabenkrähen sind sicher übersehen worden, wobei diese wohl überwiegend den heimischen Brutbestand umfassen. Die Ergebnisse lassen im Vergleich mit Daten aus den 1980er Jahren den Rückschluss zu, dass die Anzahl der in Mecklenburg-Vorpommern überwinternden Saatkrähen um mindestens die Hälfte zurückgegangen ist. Ein noch stärkerer Rückgang dürfte bei der Dohle stattgefunden haben, während von der Nebelkrähe keine entsprechenden Vergleichsdaten vorliegen. Als Gründe für die abnehmenden Winterbestände von Saatkrähe und Dohle kommen der Rückgang der regionalen Brutpopulation in Frage, aber auch abnehmende Brutbestände in Osteuropa sowie besonders die geringere Wanderungsneigung der dortigen Vögel. Wegen der während eines Winters erfolgenden Wechsel zwischen den Schlafplätzen werden besser synchronisierte Zählungen angeregt, um die weitere Bestandsentwicklung genauer verfolgen zu können.

weitere Inhalte:
DDA Aktuell
  • Vögel in Deutschland 2007
  • 8. Tagung der Wasservogelkoordinatoren in Lenzen
  • Ankündigung: Europaweite Goldregenpfeiferzählung 2008
  • Möwen-Schlafplatzzählungen - Ergebnisse der Zählsaison 2006/7
  • Wasservogelzählgebiete aus der Vogelperspektive
  • Jungvogelanteile von überwinternden Schwänen in Deutschland - erste Ergebnisse der Saison 2006/07
  • Gemeinsames Positionspapier der ornithologischen Verbände zur Gänsejagd in Deutschland
  • Der Seggenrohrsänger in Deutschland.


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