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Aktuell
Habicht: Dänische Vögel wurden kleiner

 

Die Vogelwelt 4/2006
Schwerpunkte:
  • Reaktionen der Vogelwelt auf den großflächigen Bestandszusammenbruch des montanen Nadelwaldes im Inneren Bayerischen Wald.
Die Verlichtung des Kronendachs stimuliert das Aufkeimen der Vogelbeeren - ein attraktives Nahrungsangebot für die Vogelwelt.
Scherzinger, W.
Reaktionen der Vogelwelt auf den großflächigen Bestandeszusammenbruch des montanen Nadelwaldes im Inneren Bayerischen Wald (55 S.)

1983/1984 verursachten Sturmereignisse und hohe Sommertemperaturen im Inneren Bayerischen Wald ab 1986 eine Borkenkäferkalamität, die zu großräumigem Absterben der alten Fichtenwälder auf dem Mittelgebirgskamm führte. Diese Studie beschreibt die Reaktionsbreite in der Vogelwelt auf dieses Naturereignis. Das 75 ha große Untersuchungsgebiet (Gr. Spitzberg) lag im Übergangsbereich vom Mischwald aus Fichte und Buche (Ahorn) und dem Fichtenwald der Hochlagen auf 1050–1300 m NN. Seit der Gründung des Nationalparks 1970 fanden in diesem Bereich keine forstlichen Nutzungen mehr statt. Im Rahmen einer Gitterfeld­kartierung (Einzelflächen à 1 ha) in Kombination mit einer Registrierung aller Vogelindividuen je Gitterfeld wurde das Areal zwischen 1989 und 2000 insgesamt 301-mal begangen (im Mittel 25-mal pro Jahr), mit möglichst wöchentlichen Kontrollen zur Brutzeit. Die 12 Beobachtungsjahre decken eine Entwicklung vom weitgehend geschlossenen Wald bis zur nahezu baumfreien Offenlandschaft mit ungewöhnlichen Massen an Totholz ab. Im Untersuchungsgebiet wurden 71 Arten festgestellt, davon 58 typische Waldarten. Im Kartierungszeitraum erfuhr der Vogelbestand einen Zuwachs von 22 Arten, bei Verlust von 11 Arten. Im Gegensatz zur Konstanz des Brutzeitbestands mit rund 40 Vogelarten sank der Winterbestand von 24 auf acht Arten, verursacht durch eine zunehmende Dichotomie in der Entwicklung des Lebensraumangebots, mit günstigen Sommer- und pessimalen Winterbedingungen. Aus der Aufsummierung der maximalen Bestandszahlen jeder Art und jeden Jahres im Zeitraum 1989–2000 ergibt sich ein Gesamtbestand von 1498 Individuen. Wie für Montanwälder typisch, waren Buchfink, Tannenmeise und Zaunkönig die häufigsten Vogelarten. Die jährlichen Individuensummen fluktuierten zwischen 181 (als Tiefstpunkt im Jahr 1995) und 1159 (als Höchstwert im Jahr 1996, einem besonderen Samenmast-Jahr). Vergleicht man die Frequenz einzelner Arten zur Brutzeit (in Addition aller besetzen Gitterfelder zwischen Mitte März und Ende Juni) von 1989 mit 1999, so müssen zehn Arten als Verlierer und neun Arten als Gewinner bezeichnet werden, während eine dritte Gruppe mit acht Arten keine klare Reaktion auf den Bestandszusammenbruch erkennen ließ. Zu den Gewinnern zählten zunächst die Spechte, deren Artenzahl sich von zwei auf sechs erhöhte. Im Vergleich zu „ungestörten“ Naturwäldern der Region demonstrierte die Vogelwelt eine hohe Attraktivität „gestörter“ Waldflächen während der Zusammenbruchs- und Zerfallsphase, solange Habitatstrukturen sowohl für Vogelarten des Waldinnenklimas als auch des Waldaußenklimas überlappten.
Aus der Geschichte vergleichbarer Katastrophen im Böhmerwald können Sturmwurf und nachfolgende Borkenkäfergradation im Wesentlichen als Naturereignisse aufgefasst werden. In natürlichen Ökosystemen stößt eine permanente Dynamik stets neue Zyklen aus Störung, Regeneration, Reifung und Etablierung an. Diese sind Voraussetzung für eine immer wiederkehrende Entstehung unterschiedlichster Habitate.


Wellenläufer

Seggenrohrsänger
DDA Aktuell
Siegfried Klaus und Jochen Wiesner in den Ruhestand verabschiedet
Zwei „ornithologische Urgesteine“ Thüringens vollendeten in diesen Tagen ihr 65. Lebensjahr: Siegfried Klaus und Jochen Wiesner. Im Rahmen eines kleinen Kolloquiums mit anschließendem Empfang in der Thüringer Vogelschutzwarte in Seebach wurden beide von Freunden und Kollegen in den Ruhestand verabschiedet.
Klaus-Rainer Hoffmann, Präsident der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie in Jena, der Arbeitsstelle von Klaus und Wiesner, und Wolfgang Werres vom Thüringer Umweltministerium betonten in ihren Grußansprachen den langjährigen Fleiß und die hohe Fachkompetenz, die beide in ihre Arbeit in der Thüringer Umweltverwaltung eingebracht haben. Nicht ohne Schmunzeln verwies Werres darauf, dass Thüringen mit der Meldung der Vogelschutzgebiete deshalb so lange gezögert habe, damit die Erstellung der Gebietskulisse für beide die letzte und krönende Tätigkeit ihrer beruflichen Laufbahn sein konnte.
Dieter Franz vom Staatlichen Umweltamt in Suhl, ehemals Vorsitzender des DDA, dankte beiden dafür, dass sie ihre Funktion als Bindeglied zwischen hauptamtlichen Ornithologen und den ehrenamtlich tätigen in „hervorragender Weise“ wahrgenommen haben, und wünschte beiden großen Erfolg bei ihren anstehenden, rein ehrenamtlich betriebenen Projekten.
Der langjährige Freund und Wegbegleiter Prof. Hans-Heiner Bergmann (ehemals Universität Osnabrück) zeichnete gut gelaunt und mit z. T. herrlichen Bildern garniert den gemeinsamen ornithologischen Weg mit Klaus und Wiesner nach. Besonders Teamwork und Freundschaft über Jahrzehnte waren die Garanten für das Entstehen zahlreicher auch international beachteter Publikationen insbesondere zu Raufußhühnern.
Mehr auf eine herausragende naturschutzfachliche Leistung abhebend würdigte Prof. D. Schulze vom Max-Planck-Institut für Biochemie in Jena Siegfried Klaus als einen von zwei Vätern, ohne die der Nationalpark Hainich nicht existieren würde. Jochen Wiesners Leidenschaft waren (und sind) die Kleineulen. Dies wurde in dem Beitrag von W. Meyer aus Unterpreilipp gewürdigt, der über 30-jährige Untersuchungen am Raufußkauz berichtete. Schließlich beleuchtete Edgar Reisinger noch einmal 15 gemeinsame Dienstjahre mit Klaus und Wiesner in der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie.
Der DDA wünscht Siegfried Klaus und Jochen Wiesner einen „unruhigen“ Ruhestand mit viel Elan und Ideen im Bereich von Forschung und Vogelschutz! 
Dieter Franz
weitere Inhalte:
DDA Aktuell

Bericht von der DDA-Mitgliederversammlung am 3. Dezember 2006 in Fulda

Festkolloquium der Berliner Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft für Dr. Klaus Witt

Walter Thiede zum 75. Geburtstag



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