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| Schreiadler |
Bernd-Ulrich Meyburg, Christiane Meyburg, Joachim Matthes & Hinrich Matthes: GPS-Satelliten-Telemetrie beim Schreiadler Aquila pomarina: Aktionsraum und Territorialverhalten im Brutgebiet. GPS satellite tracking of Lesser Spotted Eagles Aquila pomarina: home range and territorial behaviour in the breeding area.
In den Jahren 2004–2006 wurden sieben adulte Schreiadler (fünf Männchen und zwei Weibchen) mit GPS-Satelliten-Sendern markiert und ihre Aktionsräume und ihr Verhalten anhand von 2.976 GPS-Ortungen und Feldbeobachtungen im Brutgebiet analysiert. Die Reviere der vier in einer Brutsaison telemetrierten Männchen hatten eine Ausdehnung von mindestens 32,78 km2 (D), 34,14 km2 (BS), 46,40 km2 (LA) und 54,39 km2 (BT). Das fünfte Männchen (S), das in zwei Jahren untersucht werden konnte, wies 2005 ein home range von 93,78 km2 und 2006 ein solches von 172,29 km2 Größe auf. Im Mittel erstreckten sich alle sechs Aktionsräume über 72,29 km2. Bei den beiden Weibchen wurden sehr verschieden große brutzeitliche Aufenthaltsräume festgestellt (1,56 km2 und 82,3 km2), obwohl beide Individuen jeweils ein Junges hatten. Die erfolgreich brütenden Männchen verhielten sich streng territorial, ihre Reviere überschnitten sich nicht. Die Weibchen hingegen wurden aus fremden Horstgebieten nicht vertrieben und konnten sich sogar direkt an weit entfernten fremden Nestern aufhalten. Reviere von Paaren, die sich nicht erfolgreich fortpflanzen, wurden nach dem Scheitern der Brut von erfolgreichen benachbarten Paaren teilweise übernommen. Die maximalen Entfernungen vom Nest, in denen Altvögel festgestellt werden konnten, betrugen bei drei Männchen (D, BT und LA) rund 6–7 km, bei einem Weibchen (W) und einem Männchen (BS) ca. 11 km und beim Männchen S mit den meisten GPS-Ortungen über 13 km. Die Größen der Aktionsräume und die Entfernungen, bis zu denen sich die Vögel vom Nest entfernten, waren während des gesamten Aufenthalts im Brutgebiet nicht konstant. Das Männchen S entfernte sich ab der Frühjahrsankunft zunehmend weiter vom Horst. Mitte Juli flog es in beiden Jahren am weitesten und hatte auch die größten Aktivitätsräume. Danach wurden die Aktionsräume bis zum Beginn des Herbstzugs wieder kleiner. Die home ranges wurden sehr unterschiedlich intensiv genutzt. 84 % der 677 Ortungen des Männchens S erfolgten 2005 auf einer Fläche von nur 14,24 km2, 2006 wurde der Vogel in 71,4 % der 989 Fälle auf einer Fläche von 15,43 km2 festgestellt. Um dieser vom Aussterben bedrohte Art effektiv zu helfen, wird ein geschützter Raum mit einem Radius von 3 km um die Horste für nicht ausreichend angesehen. Es sollten im Umkreis von mindestens 6 km keine einschneidenden Veränderungen (Bau von Windkraftanlagen, Autobahnen, Straßen, Fahrradwege, Ortschaften usw.) zugelassen werden.
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| Wellenläufer |
Thorsten Krüger & Jochen Dierschke: Das Vorkommen des Wellenläufers Oceanodroma leucorhoa in Deutschland. The occurrence of Leach’s Storm-petrel Oceanodroma leucorhoa in Germany.
Der Erstnachweis von Wellenläufern für Deutschland geht auf das Jahr 1583 (zwei Vögel am Neckar bei Heidelberg) zurück. Bis einschließlich 2004 wurden insgesamt 2.679 Wellenläufer registriert. 22 Nachweise von insgesamt 26 Individuen stammen aus der Zeit vor 1900. Zwischen 1901 und 1913 wurden Wellenläufer nahezu alljährlich bemerkt. Bis 1947 schwankt die Jahressumme festgestellter Vögel zwischen ein und drei Vögeln. Von 1951 bis 2004 wurden mit Ausnahme von vier Jahren (1954, 1959, 1969, 1981) alljährlich Wellenläufer registriert, seither ist die Art als regelmäßiger Gastvogel Deutschlands einzustufen. 1952 kam es dabei mit 18 Vögeln zum ersten in dieser Intensität nie zuvor registrierten Einflug nach Deutschland. Derartige „Einflugjahre“ traten fortan immer wieder einmal auf, so z. B. 1978 (73 Ind.) und 1988 (158). Seit den 1990er Jahren werden im Vergleich zu den vorausgegangenen Jahrzehnten deutlich mehr Wellenläufer pro Jahr registriert. Hierbei ragen zudem einzelne Jahre mit überdurchschnittlich hohem Vorkommen hervor, insbesondere 1990 (201 Ind.), 1997 (291), 2003 (87) und 2004 (861). Die meisten (2.369) Wellenläufer wurden im Gebiet der Nordsee (88,4%) entdeckt, 42 Individuen gelangten in die Ostsee (1,6%) und 268 Vögel wurden ins Binnenland verschlagen (10,0%), davon 20 in „küstenferne“ Gebiete (S von 50°30’ N). Die ersten Wellenläufer erscheinen im Verlauf des Wegzugs ausnahmsweise bereits Mitte August, regelmäßig jedoch erst ab Anfang September (50. Pentade). Hiernach steigt die Zahl der festgestellten Wellenläufer steil an, bis Ende September (54./55. Pentade) der Durchzugsgipfel erreicht wird. Im Januar und Februar wurden nur 14 Wellenläufer dokumentiert, während des Heimzuges (März–Mai) nur zehn. Aus der Brutzeit (Juni–Juli) lässt sich lediglich eine Wellenläufer-Meldung als Nachweis werten. Vor Wangerooge erscheinen Wellenläufer fast ausschließlich bei Nordwest- bzw. Westwind (bevorzugt Nordwest). Auf Sylt wurden zusätzlich bei Südwestwind vermehrt Wellenläufer festgestellt, am häufigsten erscheinen sie bei westlichen Winden. Bei schwächeren Winden als 6 Beaufort (Bft) wurden kaum Wellenläufer notiert. Vor Sylt wanderten die meisten Vögel (94,3 %) in südliche Richtung, vor Wangerooge in westliche Richtungen (99,5 %) und vor Helgoland ebenfalls gegen Westen (52,6%). Von 1853 bis 2004 wurden in Deutschland nur 120 Individuen (4,5 %) dokumentiert, die eines natürlichen Todes ohne Fremdeinwirkung (z. B. Prädation) gestorben sind oder sehr stark ermattet/sterbend gefunden wurden. Aufgeteilt nach Sektoren starben im Bereich der deutschen Nordsee lediglich 3,4% der dort insgesamt dokumentierten Vögel (n = 2.368), im Binnenland-Nord 9,7% (n = 248), im deutschen Ostseeraum bereits 21,4% (n = 42) und schließlich im Binnenland-Süd 35,0% (n = 20). Neben natürlichem Tod ohne Fremdeinwirkung (74,5% aller gestorbenen Individuen, n = 161) kamen Wellenläufer in Deutschland zusätzlich auf verschiedene Art und Weise um: Tötung/„Sammlung“ (14,9 %), Prädation durch Vögel (3,7 %), Kollision mit Leuchttürmen, anderen Gebäuden oder beleuchteten Schiffen (3,1 %), Straßenverkehr (1,2%), Kollision mit Stacheldrahtzaun (0,6%). Das Vorkommensmuster nach Jahren und im Jahresverlauf wird mit dem in anderen europäischen Ländern verglichen, die Zunahme der Nachweise sowie der Einfluss meteorologischer Parameter auf das Vorkommen, die eingeschlagenen Zugrichtungen sowie das Ausmaß an Mortalität werden diskutiert.
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| Seggenrohrsänger |
Lyubov Vergeichik & Alexander Kozulin: Variabilität der Eiablagezeit und des Neststandorts als Anpassungen des Seggenrohrsängers Acrocephalus paludicola an instabile Brutbedingungen in Niedermooren in Belarus. Changing nesting dates and nest placement as adaptations of Aquatic Warbler Acrocephalus paludicola to unstable nesting conditions on fen mires in Belarus.
In den Jahren 1998–2005 wurden in den drei größten Niedermooren in Belarus (Dikoe, Sporovo und Zvanets) – den wichtigsten Brutgebieten im gesamten Verbreitungsareal des Seggenrohrsängers – die Brutpänologie und die Wahl des Neststandorts dieser Art untersucht. Von 191 Nestern (Erst- und Zweitbruten) befanden sich 54,4 % standardgemäß unter alter trockener Vegetation, aber 18,8 % in Hohlräumen innerhalb von (auch verbrannten) Seggenhorsten, 19,8 % ausschließlich im Schutze grüner Vegetation und 6,8 % in altem Seggengewirr über dem Wasser. Unter ungestörten Bedingungen gibt es pro Brutsaison zwei Legeperioden, wobei ein Teil der Weibchen anscheinend nur in einer der beiden Zeiträume brütet und nur manche Weibchen zwei Gelege produzieren. Bei ungünstigen Brutbedingungen können die Weibchen den Brutbeginn frei verschieben, so dass in manchen Jahren alle Weibchen innerhalb eines einzigen kurzen Zeitraumes brüten. Als wichtigste Faktoren bestimmen Schwankungen im Wasserstand und der von Bränden und Überflutungen geprägte Zustand der Vegetation den Zeitpunkt der Brut und den Neststandort.
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