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Die Vogelwelt 2/2006
Schwerpunkte:
Vogelgemeinschaften in Wäldern nach Frühjahrsbränden
Golfplatz Apeldör
Günter Busche:
Zur Vogelbesiedlung des Golfplatzes „Apeldör“ in einer Knicklandschaft im Westen Schleswig-Holsteins 2002–04.
The breeding birds of a golf course situated in farmland with hedges in western Schleswig-Holstein in the period 2002-2004.

Auf einem Golfplatz im Westen Schleswig-Holsteins ermittelte der Autor 2002–04 den Brutvogelbestand. Das Untersuchungsgebiet besteht im wesentlichen aus Grasland mit Gehölzen (Wallhecken) und Gewässern. Einschließlich der im Norden gelegenen Unterflächen (Wald und Siedlungsbauten mit Gärten) umfasst es 95 ha (Tab. 1). Insgesamt siedelten 53 Brutvogelarten mit 349 Paaren. Der eigentliche Golfplatz mit Randknick ist 91 ha groß. Hier brüteten 40 Arten, davon sieben dominant. Mit 222 Paaren beträgt die Gesamtabundanz 22,4 Paare/10 ha, Diversität: 3,33 (Tab. 2). Im Wesentlichen führten landschaftsgestalterische Maßnahmen (Anlage von Gewässern, Duldung flächenreicher Roughs) zum Diversitätsgewinn der Vogelwelt. So konnten Wasser- und Bodenvögel Artenzahl und Bestände erweitern – führend die Feldlerche mit 20 Sängern (Graslanddichte 2,5 Sänger/10 ha, in der Umgebung nur 0,1/10 ha, p < 0,001). Für weitere Arten (Reiherente, Blesshuhn, Austernfischer und evtl. Kuckuck) bildet das Gebiet eine Habitatinsel. Im Vergleich (für Arten mit >2 Paaren) mit der Agrar-Knicklandschaft erreichen 11 Arten (Tab. 2) vergleichsweise größere Dichten und fünf Arten geringere Bestände. Dreizehn Arten kommen in signifikant gleicher/ähnlicher Dichte wie in der Knicklandschaft vor. Das Diversitätsverhältnis beträgt 3,33 (Golfplatz) zu 2,76. Fast alle Individuen ernähren sich auf dem Gelände, Bruterfolge scheinen mindestens populationserhaltend, Störungen durch den Spielbetrieb und Prädation(Aaskrähe) vernachlässigbar gering zu sein. Das Gebiet liegt nach zwei Bewertungsverfahren zwischen kreisweiter und regionaler Bedeutung. Aus dem Vergleich mit zehn weiteren Golfplätzen ergibt sich folgendes Fazit (nach FLADE 1994): Golfplätze bilden keinen eigenen Landschaftstyp, sondern sind bezüglich der Brutvogelgemeinschaft als „fragmentarische Parks“ anzusehen. Eine eigene Leitartengruppe lässt sich nicht herleiten.

Wahrscheinliche Einflugwege der Steppenmöwe nach Mitteleuropa im Sommer
Ronald Klein & Grzegorz Neubauer:
Einflüge von Steppenmöwen Larus cachinnans und Mittelmeermöwen L. michahellis ins nördliche Mitteleuropa – Herkunft, Ursachen, Verlauf und Trend.
Influxes of Caspian Gulls Larus Larus cachinnans and Yellow-legged Gulls L. michahellis into northern Central Europe - origin, causes, course and trend.

Auf der Grundlage von Ringwiederfunden wird das saisonale Vorkommen von Steppen- und Mittelmeermöwe im deutschen und polnischen Tiefland aufgezeigt. Ihre größte Häufigkeit erreichen beide Formen im Spätsommer und Herbst. Während in Polen Steppenmöwen ihre Höchstzahlen im Juli und dann wieder im Winter aufweisen, ist dies in Deutschland im Herbst der Fall, ohne dass auffällige Winterkonzentrationen zu verzeichnen sind. Beringte Mittelmeermöwen sind relativ regelmäßig zwischen Juli und November anzutreffen, fehlen im Winter allerdings in Polen und an der deutschen Ostsee. Sie stammen überwiegend von der nördlichen Adria (Italien, Kroatien), einige auch aus der Toskana und der Schweiz. Es werden die möglichen Ursachen dieser Wanderungen diskutiert und die wahrscheinlichen Routen in Karten skizziert. Anscheinend ist die Steppenmöwe im Begriff, sich in Mitteleuropa als fester Brutvogel zu etablieren, wobei sie in Zukunft speziell im östlichen Binnenland die Silber- und Mittelmeermöwe vermutlich ganzjährig überflügeln wird.


Adulte Steppenmöwe
Klemens Steiof:
Zur Phänologie von Silber-, Mittelmeer- und Steppenmöwe Larus argentatus, L. michahellis, L. cachinnans in Berlin in den Jahren 2000–2004.
Phenology of Herring, Yellow-legged and Caspian Gulls Larus argentatus, L. michahellis, L. cachinnans in Berlin in the years 2000-2004.

An einem innerstädtischen (Osthafen) und einem randstädtischen (Müggelsee) Großmöwen-Schlafplatz wurden an 187 Terminen insgesamt über 73.000 Großmöwen gezählt. Hierbei sind jeweils möglichst große Stichproben auf Artniveau und nach Alter bestimmt worden, was bei gut 29.700 Vögeln (41 %) gelang. Die größten Rastbestände treten mit maximal 4.100 Großmöwen am Müggelsee auf, der damit den bedeutendsten Großmöwen-Schlafplatz in Berlin und Brandenburg beherbergt. Nachbrutzeitlich fliegen Großmöwen im Juli ein (im Mittel 155 Individuen); die Bestände überschreiten im Oktober die 1.000 und sind von Dezember bis Februar am höchsten mit einem Januar-Durchschnitt von 3.200. Bereits im März ist der Bestand auf 1.200 Vögel abgesunken, und ab Mai sind allenfalls Einzelvögel anwesend. Die Mittelmeermöwe dominiert im Juli/August, hat im Oktober das Maximum (180) und nimmt zum Mittwinter auf unter 20 Individuen ab. Das verstärkte Auftreten im Februar (60 Ind.) kann von Brutvögeln des ostdeutschen Binnenlandes oder von Durchzüglern in (ost)mediterrane Brutgebiete gebildet werden. Die Silbermöwe dominiert ab September und erreicht im Januar und Februar Bestände von rund 3.000 Vögeln (bis einmalig 3.850). Bei ihr fliegen bis Dezember hauptsächlich Altvögel ein. Ganz massiv erscheinen im Januar und Februar aber Jungvögel, die vermutlich nach Zuzug von Silbermöwen nördlicher Herkunft in die südliche Ostsee der dann wachsenden Konkurrenz ausweichen. Vögel mit gelben Beinen („omissus“) treten ganzjährig auf und stellen bei einzelnen Zählungen bis zu 8–14 % der adulten Silbermöwen, meistens edoch eher 1–5 %. Die Steppenmöwe fliegt ab Juli ein und nimmt bis zum Maximum im Januar (160) kontinuierlich zu, dann bis April zügig wieder ab, mit verstärktem Auftreten von vorjährigen Vögeln im Februar. Beim (kleineren) städtisch-industriell geprägtem innerstädtischen Schlaf- und Rastplatz (Osthafen) ist im Verhältnis die Silbermöwe von Juli bis September stärker vertreten, während in dieser Zeit Mittelmeer- und Steppenmöwe am Stadtrand (Müggelsee) etwas stärker präsent sind. Dies mag eine leicht unterschiedliche Habitatpräferenz andeuten, die sich innerhalb einer Saison durch Gewöhnung egalisiert. Im Winterhalbjahr 2005/2006 war eine Abnahme der Großmöwen auf weniger als 10 % des früheren Bestandes festzustellen, was vermutlich auf ein verringertes Nahrungsangebot zurückzuführen ist: Nach der EG-Deponierichtlinie darf nur noch behandelter Abfall deponiert werden, was offenbar die Menge des für Möwen verwertbaren organischen Mülls drastisch reduziert hat.


 


weitere Inhalte:
Kuznetsova, D. V., V. O. Salovarov & M. Lieser:
Veränderungen der Vogelgemeinschaften in  Wäldern nach Frühjahrsbränden im südlichen Baikalvorland.

Dierschke, V.:
Mülldeponien als winterlicher Lebensraum für Silbermöwen Larus argentatus aus der südöstlichen Nordsee.

DDA-Aktuell:

  • DDA mit neuem Internet-Auftritt
  • Birdrace wieder ein voller Erfolg
  • Erster Bericht zum Adebar-Projekt erschienen
  • Umfrage zur ornithologischen Schriftenschau
  • IUCN veröffentlicht Rote Liste 2006
  • Aufruf zur Meldung von Braunkehlchenvorkommen

 



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