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Die Vogelwelt 1/2006
Schwerpunkte:
Großmöwen
Silbermöwe
Konrad Thye:
Zehn Jahre Farbringablesungen an Großmöwen in Hannover. - Ten years of observation of colour-ringed large gulls in Hannover.

Im niedersächsischen Hannover wurden von 1995–2004 894 Großmöwen anhand von Farbringen und Flügelmarken identifiziert und im Hinblick auf Herkunft, Ortstreue und Phänologie ausgewertet. Die Silbermöwe L. argentatus war mit 96,8 % die dominierende Art. Steppenmöwen L. cachinnans und Mittelmeermöwen L. michahellis waren mit 1,2 % bzw. 1,3 % fester Bestandteil der Winterpopulationen in Hannover. Der größte Teil aller abgelesenen Vögel entstammte deutschen, dänischen und finnischen Brutkolonien. 29 % der Möwen entwickelten deutliche Ortstreue zu Hannover, bei 20 % sind Überwinterungen belegt. Unabhängig von Herkunft und Individuenzahlen ähneln sich die Wanderungs- und Überwinterungsstrategien, wobei Hausmülldeponien als Nahrungs- und Rastplätze die entscheidenden Knotenpunkte darstellen. Von allen nach Hannover gelangten Ringmöwen hatten Jungvögel im 1. Lebensjahr mit ca. 52 % den größten Anteil, mit zunehmendem Alter der Möwen nahm ihr Anteil am Winterbestand deutlich ab. Einige ausgewählte Individuen hohen Alters, repräsentativer oder ungewöhnlicher Zugschemata sowie Fälle extremer Vitalität invalider Tiere werden dargestellt. Die Entwicklung ab 2005 nach Schließung der Hausmülldeponien in Deutschland wird kurz diskutiert. Auch künftig wird die Farbberingung als sinnvoll erachtet.


Hybrid Steppen- x Mittelmeermöwe
Grzegorz Neubauer, Magdalena Zagalska-Neubauer, Robert Gwiazda, Marcin Faber, Dariusz Bukacinski, Jacek Betleja & Przemyslaw Chylarecki:
Brütende Großmöwen in Polen:Verbreitung, Bestände, Bestandtrends und Hybridisierung. - Breeding large gulls in Poland:distribution, numbers, trends and hybridisation.

Mit Silbermöwe Larus argentatus, Steppenmöwe L. cachinnans und Mittelmeermöwe L. michahellis brüten gegenwärtig drei Großmöwenarten in Polen, deren Situation hier aufgrund von eigenen Untersuchungen und publizierten Daten beschrieben wird. Silbermöwen siedelten sich in den späten 1960er Jahren an und nahmen bis zu den frühen 1990er Jahren rapide bis auf 1900–2100 Brutpaare zu. Das exponentielle Populationswachstum, das mit einer Arealerweiterung nach Süden und der Besiedlung des nordpolnischen Binnenlands einher ging, kehrte sich in den letzten Jahren wieder um, so dass zu Beginn des 21. Jahrhunderts etwa 1200–1500 Paare in Polen brüteten. Im Süden des Landes nahm der Brutbestand der Steppenmöwe von 1997–2004 jährlich um 33 % zu und erreichte im Jahr 2004 480 Paare. Die Mittelmeermöwe blieb dagegen eine seltene Brutvogelart, deren Brutbestand vermutlich nicht über 5–10 Paare hinaus geht. Hybridisierung findet vor allem zwischen den beiden häufigen Arten Silber- und Steppenmöwe statt. Verursacht wird sie vermutlich durch zufällige Paarbildungen in gemischten Kolonien im mittleren Polen. Am Mittellauf der Weichsel und im Wloclawek-Stausee sind Mischpaare mit Anteilen von ca. 60 % bzw. ca. 40 % sehr häufig, in beiden Gebieten haben deshalb Hybriden einen hohen Anteil. Da die Brutkolonien in diesen Bereichen relativ instabil sind, wird der Austausch von Individuen zwischen Brutkolonien gefördert. Auch die häufig zu beobachtende Dispersion entlang einer Nord-Süd-Achse begünstigt Hybridisierungen.


Bannwald
Frank Hohlfeld:
Ornithologische Untersuchungen in einem Bann- und Wirtschaftswald vor und nach Sturm. - Ornithological studies in a strict forest reserve and a managed forest before and after a storm.


Im Bechtaler Wald, einem Eichen-Hainbuchenwaldgebiet der Oberrheinebene, wurden durch den Orkan "Lothar" im Dezember 1999 80 % Prozent der Waldbestände geworfen. In dem betroffenen Gebiet wurden ornithologische Untersuchungen zur Siedlungsdichte in einem Bann- und Wirtschaftswald durchgeführt. Die Kartierungen fanden 1994 und 1999 vor dem Sturm und 2000 und 2001 nach dem Sturm statt. Darüber hinaus wurden von Vögeln besetzte Bruthöhlen samt ihrer Höhlenbäume erfasst. Vor dem Sturm ähnelten sich die Avizönosen der verglichenen Flächen. Höhlenbrütende Vogelarten waren im totholzreichen Bannwald jedoch häufiger als im bewirtschafteten Wald. Die Gesamtsiedlungsdichte veränderte sich überraschenderweise auf beiden Flächen durch den Sturm kaum, jedoch verlief die weitere Entwicklung in Bann- und Wirtschaftswald unterschiedlich. Die meisten Vogelarten besiedelten die Flächen nach wie vor, einige typische Waldarten verschwanden jedoch als Brutvögel von den Sturmwurfflächen. Sowohl höhlenbrütende als auch freibrütende Vögel erreichten in der ungeräumten Bannwaldfläche größere Siedlungsdichten als im geräumten Wirtschaftswald. Während sich auf den Freiflächen des Wirtschaftswalds Vogelarten des Offenlands ansiedelten, erreichten die Strauch- und Gebüschbrüter im Bannwald hohe Dichten, da dort die Kronen geworfener Bäume größtenteils wieder austrieben und eine neue "Strauchschicht" bildeten. Stehendes und liegendes Totholz spielte für die höhlenbrütenden Vogelarten des Bannwalds nach dem Sturm eine noch wichtigere Rolle als Brutraum als vorher. Aufgeklappte Wurzelteller wurden im Bannwald von verschiedenen Vogelarten als Brutraum genutzt. Neben Eichen spielten Pionierbaumarten wie Vogelkirschen und Birken eine wichtige Rolle als Höhlenbäume.


weitere Inhalte:
Nikolay Yakovets:
Hellmantelige Großmöwen Larus spec. in Belarus - Status und Probleme. - Large light-backed gulls Larus spec.in Belarus - status and problems.

Volker Dierschke & Nils Helge Lorentzen:
Phänologie südnorwegischer Mantelmöwen Larus marinus auf Helgoland (Deutsche Bucht). - Phenology of South Norwegian Great Black-backed Gulls Larus marinus at Helgoland (German Bight).

Manfred Hölker & Thomas Wagner:
Nahrungsökologie der Wiesenweihe Circus pygargus in der ackerbaulich intensiv genutzten Feldlandschaft der Hellwegbörde, Nordrhein-Westfalen. - Feeding ecology of the Montagu ’s Harrier Circus pygargus in the intensively used agricultural landscape of the Hellwegbörde, North Rhine-Westphalia.

Johannes Kamp & Vincent Sohni:
Habitatnutzung und Siedlungsdichte des Mittelspechts Dendrocopos medius caucasicus im nordwestlichen Kaukasus (Russland). - Habitat use and population densities of the Middle Spotted Woodpecker Dendrocopos medius caucasicus in the NW Caucasus mountains (Russia).

DDA-aktuell:
Schon über 1.000 Mitarbeiter beim Monitoring häufiger Brutvögel!
Treffen der Gänse-und Schwanenzähler
Stiftung Vogelmonitoring
Umfrage zur Ornithologischen Schriftenschau

Perspektiven eines bioakustischen Monitorings
Reinhard Gnielka zum 75.Geburtstag



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Heft 2/2011

Beiträge zur Vogelkunde


 
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