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Aktuell
Verölte Gänse
Dem Wattenrat Ost-Friesland liegen erneut Meldungen über verölte Gänse an der Ems vor. Mehrere Wissenschaftler und Vogelbeobachter sahen vor wenigen Tagen an der sog. "Gänsekuhle" im Hammrich von Middelsterborg 50 lebende verölte graue Gänse. An der Ems wurden seit Weihnachten 2005 über 100 mehr oder weniger stark verölte Gänse gezählt. Inzwischen liegt auch ein Bild einer verölten Blessgans an der Ems vor. Die Ursache der Verölung ist unklar, möglicherweise geht die Verölung auf das gesunkenen Binnenschiff "Eberswalde" zurück, das im November 2005 auf der Ems sank und erst nach einer Woche für die Bergungsvorbereitungen abgedichtet wurde. Auf der Ems selbst ist kein Öl zu sehen. Aus den Niederlanden erreichte den Wattenrat die Meldung, dass ebenfalls im Dezember 2005 viele verölte graue Gänse an der Westerschelde gesehen wurden, diese Verölung ging auf die illegale Tankwäsche eines Schiffes zurück. Ob es einen Zusammenhang zwischen der Ölverschmutzung in den Niederlanden und den verölten Gänsen an der Ems gibt, ist ebenfalls völlig unklar.

Pressedienst des Wattenrates Ost-Friesland, Manfred Knake
9. Jan. 2006

 

Die Vogelwelt 4/2005
Schwerpunkte:
Prädation und der Schutz bodenbrütender Vogelarten
Flussseeschwalbe
Torsten Langgemach & Jochen Bellebaum:
Prädation und der Schutz bodenbrütender Vogelarten in Deutschland. - Predation and the conservation of ground-breeding birds in Germany.

In den vergangenen 15 Jahren zeigte sich zunehmend schlechte Reproduktion als wesentliches Symptom der Abnahme vieler Bodenbrüterarten. Vor allem dort, wo die Landwirtschaft als wichtiger Einflussfaktor ausfällt, rückte zunehmende Prädation als Verlustursache in den Vordergrund, vor allem bei Hühnervögeln, Limikolen und Großtrappen. Dort, wo bei gezielten Felduntersuchungen bestandsgefährdende Prädation beobachtet wurde, spielten fast stets Raubsäuger, insbesondere der Fuchs, die zentrale Rolle. In einer Analyse der vorliegenden Literatur wurde neben dem aktuellen Ausmaß des „Prädationsproblems“ in Deutschland v. a. die Bedeutung von Lebensraumveränderungen als tieferliegende Ursache untersucht. Sie haben einerseits die Bedingungen für viele Bodenbrüterarten massiv verschlechtert, andererseits zu deutlich erhöhter Nahrungsverfügbarkeit und dauerhaft hohen Populationsdichten bei einer Reihe von Prädatorenarten geführt. Die Tollwutimmunisierung ist nur ein Teil in diesem Wirkungsgefüge. Die Folgen für bestimmte Beutearten sind gravierend, wenngleich der Anteil von Eiern oder Jungvögeln in der Nahrung der Beutegreifer unbedeutend sein kann. Eine paradoxe Situation ergibt sich dadurch, dass das Phänomen besonders in Schutzgebieten deutlich wird, da hier andere Verlustursachen zurücktreten und zudem ein Teil der Schutzmaßnahmen auch den Prädatoren zugute kommt. Die bisherige Sicht auf die Zusammenhänge ergibt sich aus einer Vielzahl von Studien, die überwiegend Einzelaspekte behandeln und teilweise zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Dies zeigt die Kompliziertheit der Zusammenhänge. Dass sich noch kein befriedigendes Gesamtbild ergibt, gilt gleichermaßen für das Spektrum möglicher Gegenmaßnahmen. Dieses reicht von gezielten Lebensraumveränderungen über direkte Einflussnahme auf die relevanten Prädatorenarten durch Reduktion oder Vergrämung bis hin zu konkreten Schutzmaßnahmen an den Brutplätzen der Bodenbrüter. Die Gesamtschau zeigt, dass fast alle bisherigen Versuche des „Prädationsmanagements“ noch unbefriedigend in ihren Ergebnissen sind. Viele der angewandten Methoden haben zumindest Potenzial zur Problemminderung, sind aber teils noch nicht ausgereift bzw. werden nicht konsequent genug angewandt. Günstig ist die Kombination von Maßnahmen. Ein Teil derselben kommt jedoch nur für sehr seltene Arten in Frage. Wenig Ansatzpunkte gibt es bisher bei Waldarten. Parallel zur weiteren Suche nach Lösungen durch Forschung und Praxiserprobungen müssen die verfügbaren Methoden unverzüglich und konsequent angewandt werden, da sonst für einige Arten jede Hilfe zu spät kommt.


Insel Walfisch
Jan Kube, Ulrich Brenning, Wilfried Kruch & Hans Wolfgang Nehls:
Bestandsentwicklung von bodenbrütenden Küstenvögeln auf Inseln in der Wismar-Bucht (südwestliche Ostsee): Lektionen aus 50 Jahren Prädatorenmanagement. - Population trends of ground-breeding seabirds on islands in Wismar Bay (southwestern Baltic Sea): lessons learned from 50 years of predator management.

Es wird die Bestandsentwicklung von 14 Seevogelarten auf den Inseln Langenwerder und Walfisch in der Wismar-Bucht (südwestliche Ostsee) für den Zeitraum 1957–2004 beschrieben. Darüber hinaus werden Angaben zur jährlichen Anzahl beringter Jungvögel pro Brutpaar von drei Limikolen- und drei Seeschwalbenarten präsentiert. Das Hauptaugenmerk bei der Analyse der Langzeittrends gilt der Bedeutung von verschiedenen Prädatoren. Mit Ausnahme von Sturm- und Silbermöwe Larus canus, L. argentatus, deren Bestandsentwicklung jeweils vorrangig durch menschliche Verfolgung und die Bereitstellung anthropogener Nahrungsquellen beeinflusst wurde, erwies sich die Prädation durch Füchse sowie Sturm- und Silbermöwen als ein entscheidender bestandsregulierender Faktor für alle Arten auf beiden Inseln. Die Effekte der Prädatoren (Gebietsmeidung, direkte Mortalität) waren artspezifisch verschieden und variierten in Abhängigkeit von weiteren Parametern (Gebietsgröße, Prädatorendichte, Reproduktionsstatus der Prädatoren, allgemeine Nahrungsverfügbarkeit der opportunistischen Prädatoren). Seit den 1990er Jahren führte der Einfluss der Prädatoren zu unzureichendem Bruterfolg bei allen untersuchten Arten und damit zu anhaltend negativen Bestandsentwicklungen. Ursachen dieser Entwicklung sind die Zunahme der Fuchsdichte nach der Tollwutimmunisierung sowie der zunehmende Nahrungsmangel von Sturm- und Silbermöwen während der Brutzeit (Einführung der EU-Landwirtschaft mit Anbau von Raps und Wintergetreide statt Hackfrüchten, sowie Schließung von Mülldeponien und sommerliches Verbot der Schleppnetzfischerei). Es werden verschiedene Maßnahmen zur Erhaltung der verbliebenen Vorkommen empfohlen.


Brachvogel
Martin Boschert:
Gelegeverluste beim Großen Brachvogel Numenius arquata am badischen Oberrhein – ein Vergleich von 2000–2002 mit früheren Zeiträumen unter besonderer Berücksichtigung der Prädation. - Analysis of nest losses of the Eurasian Curlew Numenius arquata in the Upper Rhine Valley of Baden – a comparison between results from 2000–2002 and former periods with focus on predation.

Am badischen Oberrhein in den Flussniederungen von Elz, Kammbach, Rench und Acher wurden in den Jahren 2000–2002 Untersuchungen zu den Gelegeverlusten des Brachvogels durchgeführt und mit den Ergebnissen der Untersuchungen aus den 1980er bzw. frühen 1990er Jahren verglichen. Die verschiedenen Einwirkungsfaktoren einschließlich des Prädationsdrucks wurden durch direkte Beobachtungen und kontinuierliche Überwachung der Nester sowie der Familien ermittelt. Neben Sichtkontrollen der Nester und genauen Untersuchungen der Verlustumstände wurden ab 2000 55 von 97 Nestern zusätzlich mit Temperaturfühlern versehen. Von den mit Thermo-Loggern überwachten Nestern schlüpften aus 11 Gelegen Küken. Von den verbliebenen 44 Gelegen gingen 24 (55 %) in der Nacht und 11 (25 %) am Tag verloren. In den einzelnen Niederungen zeigen sich hinsichtlich der tageszeitlichen Verluste jedoch signifikante Unterschiede zwischen der Elz-Niederung (ausschließlich Verluste nachts) und den übrigen Gebieten. Bei den aktuellen Untersuchungen waren die Verlustursachen in nahezu allen Untersuchungsgebieten identisch und auf wenige Faktoren beschränkt; den weitaus größten Anteil hatte mit 56 % die Prädation (44 Nester), davon 18 Nester (23 %) durch den Rotfuchs, der auch für 9 der 14 Verluste bei Tageslicht verantwortlich war. Elf Gelege (14 %) wurden ausgebrütet. Gegenüber früher hat sich die Verteilung der Verlustursachen in den Niederungen von Elz, Rench und Acher verändert. Der Anteil der Prädation vervielfachte sich in allen Brutgebieten. Rabenkrähen treten als Prädatoren nicht mehr auf. Frühere Verluste waren auf vorherige Störungen durch den Menschen zurückzuführen, die mittlerweile vermieden werden. Aufgrund von Extensivierungsmaßnahmen traten landwirtschaftliche Arbeiten als Verlustursachen in der Elz-Niederung nicht mehr auf, in der Acher-Niederung nur noch in Einzelfällen, während sie in der Rench-Niederung nur leicht zurückgingen. Witterungseinflüsse haben in einzelnen Jahren den Schlüpf- und Bruterfolg beeinträchtigt. Auffallend ist der Rückgang der Schlüpfrate, der in der Elz-Niederung besonders stark ausfällt, und vor allem der signifikant zurückgehende Bruterfolg in der Elz- und der Rench-Niederung.


weitere Inhalte:
Martin Grimm:
Bestandsentwicklung und Gefährdungsursachen des Großen Brachvogels Numenius arquata in den Belziger Landschaftswiesen (Brandenburg). - Population changes in and threats to Eurasian Curlew Numenius arquata in the Belziger Landschafts­wiesen (Brandenburg, Germany).

Sabine Schwarz, Astrid Sutor & Heinz Litzbarski:
Bejagung des Rotfuchses Vulpes vulpes im NSG Havelländisches Luch (Brandenburg) zugunsten der Großtrappe Otis tarda. - Hunting of
Red Fox Vulpes vulpes in the SPA „Havelländisches Luch“ in favour of Great Bustard Otis tarda.

Andreas Barkow:
Prädation an Singvogelnestern in Hecken:
Der Einfluss von Neststandort, Heckenstruktur, Jahreszeit und Prädatoren.
- Predation on passerine nests in hedges: the impact of nest placement, hedge structure, season and predators.

Gisela Kempf:
Bestandsentwicklung der Erdmaus Microtus agrestis im periodisch überschwemmten Grünland – Ergebnisse aus dem Bremer Becken. - Population dynamics of the Field Vole Microtus agrestis in periodically flooded grassland: results from the Bremen basin.

Werner Eikhorst:
Schlupf- und Aufzuchterfolg beim Kiebitz Vanellus vanellus innerhalb und außerhalb des NSG „Borgfelder Wümmewiesen“. - Hatching and breeding success of the Lapwing Vanellus vanellus within and outside the nature reserve „Borgfelder Wümmewiesen“.

Stefan Thyen, Heike Büttger & Klaus-Michael Exo:
Nistplatzwahl von Rotschenkeln Tringa totanus im Wattenmeer:
Konsequenzen für Reproduktion, Prädation und Salzrasen-Management.
- Nest-site selection of Redshanks Tringa totanus breeding in Wadden Sea
salt marshes: consequences for reproduction, nest predation and management.


Kurzmitteilungen:

Sven Junker, Rainer Ehrnsberger & Heinz Düttmann:
Einfluss von Landwirtschaft und Prädation auf die Reproduktion des Kiebitzes Vanellus vanellus in der Stollhammer Wisch (Landkreis Wesermarsch, Niedersachsen). - Influence of agricultural practice and predation on the reproductive success of Lapwings Vanellus vanellus in the “Stollhammer Wisch” (District Wesermarsch, Lower Saxony).

Angela Helmecke, Sarah Fuchs & Bettina Saacke: Überlebensrate von Bruten und Jungvögeln der Feldlerche Alauda arvensis und Einfluss der Prädation im Ökologischen Landbau. - Survival rates of Skylark Alauda arvensis broods and chicks on organic farmland.

Astrid Sutor:
Der Marderhund Nyctereutes procyonoides als potenzieller Prädator bodenbrütender Vögel ? – Auswahl brandenburgischer Ergebnisse. - Raccoon Dog Nyctereutes procyonoides as a predator on ground-nesting birds? – Some results from Brandenburg.

Jana Zschille, Dietrich Heidecke & Michael Stubbe:
Zur Ökologie des Minks Mustela vison in Sachsen-Anhalt. - Ecology of feral American Mink Mustela vison in Sachsen-Anhalt (Germany).

Torsten Ryslavy:
Prädation bei Bruten der Wiesenweihe Circus pygargus in Brandenburg. - Predation of Montagu’s Harrier Circus pygargus broods in Brandenburg (Germany).

Martin Flade & V. Dierschke:
Andreas J. Helbig (28. Juli 1957 – 19. Oktober 2005).Andreas J. Helbig (28. Juli 1957 – 19. Oktober 2005).


DDA-Aktuell:

Informationen von Wetlands International
2005 – Rekordjahr beim Bienenfresser in Deutschland
Die Bonner Alternative



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Heft 2/2011

Beiträge zur Vogelkunde


 
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